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Gaffer – Wenn ein Verkehrsunfall zur Unterhaltung beiträgt

Behinderung der Rettungskräfte durch Schaulustige

Gaffer behindern Rettungskräfte bei einem Unfall.
Gaffer behindern Rettungskräfte bei einem Unfall.

Nach einem Unfall (§ 34 StVO) ist das Wichtigste, dass sowohl Notarzt als auch Polizei und Krankenwagen möglichst schnell den Ort des Geschehens erreichen. Oftmals wird es den Rettungskräften aber nicht ganz so einfach gemacht. Schaulustige sammeln sich schnell um die Unfallstelle und beobachten das Geschehen anstatt zu helfen.

Teilweise werden sogar Videoaufnahmen oder Fotos von den hilflosen Verletzten gemacht und ins Internet gestellt. Die so genannten Gaffer sind bei einem Unfall nicht ungefährlich. Sie sind oft dafür verantwortlich, dass Menschen in Not nicht rechtzeitig geholfen werden kann oder sie behindern die Einsatzkräfte der Polizei.

Aber wie wird gegen Gaffer vorgegangen? Welche Maßnahmen nutzt die Polizei, damit ein Schaulustiger den Unfallort verlässt? Welche Strafen drohen Gaffern, wenn diese Fotos oder Videos vom Unfallopfer machen und diesem nicht helfen? Mehr Informationen finden Sie dazu im folgenden Text!

Welche Strafe droht einem Gaffer?

Künftig soll ein neuer Paragraph im Strafgesetzbuch dafür sorgen, dass Gaffer härter bestraft werden. Der neue § 115 StGB soll an den bereits vorhandenen § 114 Abs. 3 StGB anschließen und das Fotografieren am Unfallort bestrafen. Dieser besagt ohnehin schon die Bestrafung von Gaffern, die Rettungskräfte mit Drohung oder Gewalt behindern. Folgendes steht im § 114 genau geschrieben:

Nach § 113 wird auch bestraft, wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gewalt oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes durch Gewalt oder durch Drohung behindert oder sie dabei täglich angreift. (§ 114 Abs. 3 StGB)

Nach diesem Paragraphen müssen Gaffer, die Vollstreckungsbeamte bedrohen, mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen. In besonders schweren Fällen kann sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren gerechnet werden.

Bisher müssen Angehörige oder Betroffene Gaffer anzeigen, die Fotos von ihnen anfertigen und sich auf § 201a berufen. Dieser adressiert die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen. Gaffern können so bis zu zwei Jahre Freiheitsentzug drohen.

Schaulustige, die aus dem fahrenden Auto heraus filmen, verstoßen bereits gegen die Straßenverkehrsordnung. Handy am Steuer ist demnach nämlich nicht gestattet und wird mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft.

Wird den Opfern eines Verkehrsunfalls – beispielsweise bei einem Motorradunfall – nicht geholfen, sondern nur gegafft, müssen diese sich wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten. Eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe können in diesem Fall auf den Schaulustigen zukommen.

Maßnahmen der Polizei gegen Gaffer

Schaulustige müssen mit Strafen rechnen.
Schaulustige müssen mit Strafen rechnen.

In vielen Bundesländern, u.a. in Nordrhein-Westfalen, werden Sichtschutzwände von der Polizei aufgestellt. Diese sollen den Unfallort und die Verletzten von Gaffern abschirmen, sodass keine Behinderung der Einsatzkräfte entstehen kann. Zudem sollen so Fotos und Videos nicht mehr möglich sein und die Persönlichkeitsrechte der Opfer geschützt werden.

Durch gezieltes Filmen versucht die Polizei zudem Autofahrern auf die Spur zu kommen, die aus dem fahrenden PKW heraus das Unfallgeschehen filmen oder fotografieren. So versuchen die Beamten zusätzlich Verkehrssünder zur Rechenschaft zu ziehen, die das Handy am Steuer benutzen.

In bestimmten Fällen hat die Polizei auch schon Hunde eingesetzt, um Gaffer auf Distanz zu halten. Besonders wenn sich viele Schaulustige um den Unfallort sammeln und die Maßnahmen behindern, stellt sich dies als wirkungsvoller heraus als Platzverweise zu erteilen, die nicht beachtet werden.

Auch in den sozialen Netzwerken rufen die Beamten dazu auf, im Falle eines Unfalls Erste Hilfe zu leisten statt zu gaffen. Menschenleben stehen auf dem Spiel. Künftig soll es auch ein Gesetz geben, dass es den Polizeibeamten erlaubt Smartphones und Kameras noch am Unfallort von Gaffern einzuziehen.

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