Startseite / Straßenverkehrszulassungs­ordnung (StVZO) / § 36 StVZO (Reifen und Laufflächen)

§ 36 StVZO (Reifen und Laufflächen)

Die Vorschriften zu Reifen und Laufflächen

Die Beschaffenheit der Reifen sind ein besonders wichtiger Aspekt für die Verkehrssicherheit von einem Fahrzeug. Gesetzlich ist festgelegt, dass Reifen rundherum Profilrillen und Einschnitte aufweisen müssen. Das Hauptprofil sollte dabei mindestens drei Viertel der gesamten Lauffläche bedecken. Die Mindestprofiltiefe von Reifen ist ebenfalls gesetzlich geregelt. Für Lkw, Pkw, Motorräder und Busse gelten dabei dieselben Bestimmungen. Verstöße gegen die Einhaltung der vorgeschriebenen Profiltiefen, falsche Reifengrößen, Fahren bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne Winterreifen ziehen mitunter empfindliche Strafen nach sich. Dies ist Inhalt von § 36 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO).

Bußgelder nach § 36 StVZO

TBNRTatbestandStrafe (€)Punkte
336000Sie führten das Fahr­zeug mit M+S-Reifen, obwohl eine Plakette im Sicht­feld des Fahrers fehlte.5
336006Sie führten das Fahr­zeug mit M+S-Reifen, obwohl eine Plakette im Sicht­feld des Fahrers fehlte und überschritten die zulässige Höchst­geschwindigkeit.25
336500Sie führten das Fahr­zeug, obwohl dessen Reifen mit Spikes ausgestattet waren.50
336100Sie führten das Mofa, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß.25
336606Sie führten das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine ausreichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß.601
336607Sie führten das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß und gefährdeten dadurch Andere.751
336608Sie führten das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß. Es kam zum Unfall. 901
336612Sie führten das kennzeichnungs­pflichtige Kraft­fahrzeug mit gefährlichen Gütern/ den Kraft­omnibus mit Fahr­gästen bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen besaß.901
336613Sie führten das kennzeichnungs­pflichtige Kraft­fahrzeug mit gefährlichen Gütern/ den Kraft­omnibus mit Fahr­gästen bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen besaß und gefährdeten dadurch Andere.112,501
336614Sie führten das kennzeichnungs­pflichtige Kraft­fahrzeug mit gefährlichen Gütern/ den Kraft­omnibus mit Fahr­gästen bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen besaß. Es kam zum Unfall.1351
336618Sie führten als Halter das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß.751
336619Sie führten als Halter das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß und gefährdeten dadurch Andere.901
336620Sie führten als Halter das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß. Es kam zum Unfall.1101
336624Sie führten als Halter das kennzeichnungs­pflichtige Kraft­fahrzeug mit gefährlichen Gütern/ den Kraft­omnibus mit Fahr­gästen bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß.112,501
336625Sie führten als Halter das kennzeichnungs­pflichtige Kraft­fahrzeug mit gefährlichen Gütern/ den Kraft­omnibus mit Fahr­gästen bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß und gefährdeten dadurch Andere.1351
336626Sie führten als Halter das kennzeichnungs­pflichtige Kraft­fahrzeug mit gefährlichen Gütern/ den Kraft­omnibus mit Fahr­gästen bzw. dessen Anhänger, obwohl dessen Reifen keine aus­reichende Profil- oder Einschnitt­tiefe bzw. keine aus­reichenden Profil­rillen oder Ein­schnitte besaß. Es kam zum Unfall.1651
336106Sie führten das Kraft­fahrzeug bzw. dessen Anhänger, obwohl es unzulässig auf einer Achse mit Diagonal- und Radial­reifen ausgerüstet war.15
Der Ein-Euro-Trick
Um bei Ihren Pkw-Reifen die Profiltiefe zu messen, können Sie ein Ein-Euro-Stück in die Mitte des Laufflächenprofils stecken. Verschwindet der Rand komplett, ist die Profiltiefe Ihrer Sommerreifen noch ausreichend. Tipp: Funktioniert wahlweise auch mit einem Zwei-Euro-Stück!

Bei Sommerreifen darf das Profil nur bis maximal 1,6 Millimeter Tiefe heruntergefahren sein; bei Winterreifen sind es 4 Millimeter. Bei diagonalen Winterreifen, die heutzutage fast ausschließlich nur noch bei Oldtimern zu finden sind, beträgt die Mindestprofiltiefe 5 Millimeter. Die Vorgaben für Lkw-bzw. Busreifen, Autoreifen und Motorradreifen unterliegen dabei den gleichen Richtlinien.

Reifen: Nur in gutem Zustand gewährleisten sie sichere Fahrstabilität.
Reifen: Nur in gutem Zustand gewährleisten sie sichere Fahrstabilität.

Doch warum ist die Profiltiefe so wichtig? Besonders auf nassen Fahrbahnen können abgefahrene Kfz-Reifen keinen ausreichenden Schutz vor Aquaplaning mehr bieten. Das Wasser kann in den Rillen nicht mehr abgeleitet werden und der Straßenkontakt geht verloren. Der Reifen “schwimmt” gewissermaßen auf dem Wasserfilm auf der Fahrbahn.

Auch die Profiltiefe am Rand der Lauffläche sollte nicht zu abgefahren sein, da diese besonders auch bei Kurvenfahrten für den nötigen Grip sorgen soll.

Bei Winterreifen ist eine ausreichende Profiltiefe wichtig, da die Profilrillen Schnee aufnehmen sollen, um durch Schnee-Schnee-Reibung die Fahrsicherheit zu erhöhen. Ist das Profil zu weit abgefahren, kann der zusätzliche Schutz nicht mehr greifen. Die Reifen bieten auf schneeiger und matschiger Fahrbahn nicht mehr ausreichend Sicherheit, sodass Ihr Fahrzeug leicht ins Schleudern geraten kann.

Doch ab wann müssen Sie Winterreifen, auch M+S-Reifen, aufziehen? Als Faustregel dient vielen Autofahrern hier der Merkspruch “O bis O”: Oktober bis Ostern. Doch tatsächlich gibt es keine feste, zeitliche Eingrenzung, die per Gesetz feststünde. Seit Dezember 2010 trifft Paragraph 2 Absatz 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO) eine differenziertere Regelung. Ausschlaggebend für die Winterreifenpflicht sind nicht Jahreszeit und/oder Monat, sondern Witterungsverhältnis und Straßenbeschaffenheit:

„Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit [M+S-Reifen] gefahren werden.“ (§2 Abs. 3a StVO)

Pflicht ist Winterbereifung also vor allem, wenn tatsächlich Schnee auf den Straßen liegt bzw. Eisglätte zu erwarten ist. Leben Sie also in einer Gegend, in der im Winter eher selten Schneefall zu erwarten ist bzw. regelmäßige Schneeräumung stattfindet und können Sie ggf. auch für eine kürzere Zeit auf Ihr Auto verzichten, sind Sie nicht verpflichtet, Winterreifen aufzuziehen.

Wollen Sie jedoch bei Schneefall fahren, dürfen Sie dies auch hier nur mit Winterbereifung. In Gebieten jedoch, in denen regelmäßig Schneefall zu erwarten ist – etwa in der Nähe von Erzgebirge, Harz oder Alpen – sind Sie verpflichtet, Winterreifen aufzuziehen, wenn Sie Ihren Wagen benutzen möchten. Unter Umständen können hier auch zusätzlich Schneeketten verlangt werden. Auch in dünn besiedelten Gebieten, wo eine regelmäßige Schneeberäumung nicht möglich ist, sollten Winterreifen aufgezogen sein.

Es gilt jedoch auch die Empfehlung, bereits ab Temperaturen von unter sieben Grad Celsius, auf Winterreifen zu wechseln. Grund hierfür ist, dass die Sommerreifen durch den geringen Naturkautschukanteil bei niedrigeren Temperaturen spröder und härter werden und an Biegsamkeit verlieren. Schlechtere Fahreigenschaften können die Folge sein.

Abgefahrene Reifen: Das Profil muss mindesten 1,6 mm tief sein.
Abgefahrene Reifen: Das Profil muss mindesten 1,6 mm tief sein.

Doch worin unterscheiden sich Sommerreifen und Winterreifen? An Sommer- und Winterbereifung sind unterschiedliche Anforderungen gestellt. Im Sommer soll vor allem Aquaplaning vorgebeugt und eine gute Straßenhaftung bei hohen Temperaturen gewährleistet sein. Dies wird vor allem auch durch eine härtere Gummimischung erreicht, deren Gehalt an Naturkautschuk eher gering ist.

Die Profilrillen verlaufen längs über die gesamte Lauffläche. Die Profiltiefe ist so gewählt, dass z. B. bei regennasser Fahrbahn das Wasser durch den harten Reifenmantel verdrängt und in den Profilrillen abgeleitet wird (gleich einem Drainagesystem). So ist eine höhere Fahrbahnhaftung auch bei Nässe durch die Sommerreifen gewährleistet.

Bei Winterreifen ist der Anteil des Naturkautschuks höher, sodass die Reifen insgesamt auch bei niedrigen Temperaturen weich und griffig bleibt. Das lamellenartige Profil der Reifen ist tiefer als bei Sommerreifen. Dadurch nehmen die Reifen Schnee in den Rillen besser auf und die Schnee-Schnee-Reibung (zwischen Reifen und Fahrbahn) bietet so zusätzliche Straßenhaftung.

Die mitteleuropäischen Winterreifen sind auf Temperaturen im Bereich von plus 15 bis minus 15 Grad Celsius ausgelegt. Skandinavische aufgrund der höheren Anforderungen dagegen z. B. auf Null bis minus 30 Grad Celsius. Winterreifen im Sommer zu fahren, ist deshalb gefährlich, als die Gummimischung zu weich ist und so nicht ausreichend vor Aquaplaning schützen kann.

M+S-Reifen: Das Kürzel “M+S” steht für den englischen Ausdruck “mud and snow” (“Matsch und Schnee”). Es kann jedoch nur in Verbindung mit dem Schneeflockensymbol auf dem Autoreifen als Angabe für Winterreifen gelten. Achten Sie deshalb darauf, dass auf den Flanken Ihrer des entsprechenden Reifens vor allem die “Schneeflocke in Dreieck” eingeprägt ist.
Winterreifen: Nur das Schneeflockensymbol garantiert die richtige Klassifikation.
Winterreifen: Nur das Schneeflockensymbol garantiert die richtige Klassifikation.

Ganzjahresreifen sind eine Kompromisslösung, die zwar den Reifenwechsel sparen. Doch wie bei Kompromissen üblich, sind die Eigenschaften zwar ein Mittel derer von Sommer- und Winterreifen, jedoch in keinem Punkt jeweils gleichwertig. Wenn Sie in einer Region leben, in der nur wenig Schnee fällt, bieten sich Ganzjahresreifen für Sie an. Andernfalls sollten Sie aufgrund der höheren Sicherheitsgewährleistung lieber auf Winterreifen zurückgreifen.

Nicht nur falsche Bereifung, sondern auch defekte Reifen an Ihrem Pkw können Ihnen zum Verhängnis werden. Gleichsam sieht der Bußgeldkatalog hier Strafen vor. Defekte wie Risse, Beulen oder eingefahrene Fremdkörper können geahndet werden, unabhängig davon, ob Ihre Pkw-Reifen noch ausreichende Profiltiefen aufweisen. Zudem können derartige Schäden schnell zu einer Reifenpanne führen. Im schlimmsten Falle besteht die Gefahr, dass Ihr Fahrzeug von der Straße abkommt.

Wann Sie die Reifen wechseln sollten:

  • bei Beschädigungen
  • bei Abnutzung
  • bei Überalterung
Defekte Reifen: Ein Wechsel sollte schnell veranlasst werden.
Defekte Reifen: Ein Wechsel sollte schnell veranlasst werden.

Auch Überalterung der Autoreifen kann zu Schäden an Reifenmantel und/oder Pneu führen. Zunehmendes Alter der Reifen führt auch durch Einfluss von Witterungsverhältnissen wie Sonneneinstrahlung und Nässe zur zunehemenden Porosität der Gummimischung. Rissbildung und Schäden an Mantel und Schlauch werden dadurch begünstigt. Als Richtwert dient dabei bei Sommerreifen ein Höchstalter von acht Jahren, bei Winterbereifung gelten sechs Jahre als Richtwert. Insgesamt sollte bei Autoreifen ein Alter von zehn Jahren nicht überschritten werden.

Das Alter Ihrer Reifen können Sie der sogenannten DOT-Nummer (durch “DOT” eingeleitet, steht für Department of Transportation) auf der Seite des Reifenmantels entnehmen. Die letzten vier Ziffern geben das Herstelldatum in Monat und Jahr an (z. B. “0510” für Mai 2010).

Angaben, die Sie außerdem auf der Flanke Ihrer Reifen finden:

  • Reifengröße
  • Klassifikation: Sommerreifen, Winterreifen (M+S-Reifen), Ganzjahresreifen
  • Geschwindigkeitsindex: Auf Reifen gibt der Geschwindigkeitsindex (als Teil der Reifengröße) die jeweilige Höchstgeschwindigkeit an, die mit der Bereifung gefahren werden darf.
    z. B.: Index ZR für mehr als 240 km/h, Index L für max 120 km/h.
  • Tragfähigkeitsindex: Der Lastindex auf dem Reifen gibt an, wie viel Gewicht je Reifen maximal getragen werden kann.
    z. B. Index 20 für bis zu 80 kg je Reifen, Index 200 für bis zu 14.000 kg je Reifen.

Wenn Sie Kfz-Reifen wechseln, ist meist der Tausch des kompletten Reifensatzes angeraten, damit die Fahreigenschaften aller Reifen einander gleichen. Achten Sie dabei in jedem Falle darauf, dass die Bereifung die richtige Größe besitzt. Fragen Sie sich: “Welche Reifen darf ich fahren?” Ein Blick in den Fahrzeugschein hilft. Hier ist zumindest ein Reifentyp angegeben. Beim Reifenhändler können Sie sich über ähnliche Typen informieren, die entsprechend als Alternative eingesetzt werden können. Die Mischbereifung von unterschiedlich großen Reifen an den einzelnen Achsen ist nur erlaubt, wenn der Fahrzeughersteller die abweichende Reifengröße eindeutig ausweist.

Der Luftdruck der Reifen sollte regelmäßig geprüft werden.
Der Luftdruck der Reifen sollte regelmäßig geprüft werden.

Gegebenenfalls können Sie auch neue Reifen auf die Felgen aufziehen lassen.
Aber wo können Sie die alten Autoreifen entsorgen? Die Reifen können Sie entsorgen bei den zuständigen Wertstoffhöfen Ihrer Gemeinde. Sie gehören nicht in den Hausmüll. Sie können gegebenenfalls auch in Ihrer Werkstatt oder bei einem Reifenhändler anfragen. Altreifen werden hier meist kostenlos entgegengenommen.

Auch der Reifendruck ist für die Sicherheit und die Lebensdauer der Reifen wichtig. Achten Sie regelmäßig auf den richtigen Reifendruck. Seit November 2012 ist für Neuwagen in der EU der Einbau eines Reifendruck-Kontrollsystems ab Werk Pflicht.

Welche Folgen hat ein zu niedriger Reifendruck?

  • Die Laufflächen der Reifen werden schneller abgenutzt.
  • Fremdkörper und das Überfahren von Kanten können den Pneu leichter beschädigen.
  • Die Fahrstabilität kann beeinträchtigt sein, wenn die Reifen „eiern“.
  • Die Bremswege verlängern sich durch die schlechtere Straßenhaftung.
  • Der Kraftstoffverbrauch steigt.

Bei einem Verstoß gegen § 36 StVO können hohe Bußgelder und sogar ein Punkt in Flensburg erhoben werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.