Reifenverschleiß: Bedeutung, Ursachen und Messung

Von Jan Frederik Strasmann, LL. M.

Letzte Aktualisierung am: 16. Januar 2026

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

FAQ: Reifenverschleiß

Wie kann ich die Profiltiefe meiner Autoreifen messen?

Um die Profiltiefe zu messen, gibt es einige Möglichkeiten, wie z. B. anhand einer 1-Euro-Münze, eines Messgeräts oder der Reifenverschleißanzeige. Wie diese funktionieren, führen wir hier auf.

Wann nimmt der Reifenverschleiß stark ab?

Der Reifenverschleiß nimmt vor allem durch hohe Geschwindigkeiten, zu niedrigen Reifendruck und positiven bzw. negativen Sturz zu. Tipps, wie Sie den Verschleiß verlangsamen, finden Sie in dieser Liste.

Der Reifenverschleiß ist unregelmäßig – woran liegt das?

Ungleichmäßiger Abrieb deutet meist auf falschen Reifendruck, verstellten Sturz oder defekte Stoßdämpfer hin. Weitere Gründe erklären wir in diesem Abschnitt.

Was ist der Reifenverschleiß und wie entsteht er?

Der Reifenverschleiß hat verschiedene Ursachen.
Der Reifenverschleiß hat verschiedene Ursachen.

Der Reifenverschleiß bezeichnet die Abnutzung des Reifens, die durch die Reibung zwischen Gummi und Fahrbahn entsteht.

Dieser Vorgang ist unvermeidbar, da diese Reibung notwendig ist, um das Fahrzeug zu beschleunigen, zu bremsen oder zu lenken.

Allerdings gibt es Faktoren, die diesen Prozess beschleunigen. Die Kilometerleistung, der Fahrbahnbelag, die Witterung, das Fahrzeuggewicht und Ihr Fahrstil tragen zum Reifenverschleiß bei.

Wie messen Sie den Reifverschleiß?

Gemäß § 36 Abs. 3 StVZO müssen die Reifen eines Fahrzeugs eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm aufweisen. Diese Grenze ist das absolute Minimum an Profiltiefe, da die Sicherheit im Straßenverkehr gefährdet wird.

Jedoch wird empfohlen, bei Sommerreifen bereits bei einer Profiltiefe von 3mm und bei Winterreifen bei 4 mm zu wechseln.

Um den Reifenverschleiß zu berechnen, können Sie verschiedene Methoden anwenden:

Anhand der Reifenverschleißanzeige können Sie den Reifenverschleiß ungefähr messen.
Anhand der Reifenverschleißanzeige können Sie den Reifenverschleiß ungefähr messen.
  • Der Profiltiefenmesser: Das genaueste Ergebnis liefert ein digitaler oder analoger Profiltiefenmesser. Diesen finden Sie meist im Baumarkt.
  • Die 1-Euro-Münze: Der goldene Rand einer 1-Euro-Münze ist exakt 3 mm breit. Verschwindet der Rand komplett im Profil, haben Sie noch ausreichend Gummi für Sommerreifen. Ist der Rand sichtbar, sollten Sie über einen Reifenwechsel nachdenken.
  • Reifenverschleißanzeige: Moderne Reifen besitzen kleine Stege in den Rillen. Sind diese auf einer Höhe mit dem restlichen Profil, ist beim Reifenverschleiß die Grenze erreicht. Das Bild auf der rechten Seite veranschaulicht die Reifenverschleißanzeige bzw. den Tread Wear Indicator (TWI).

Kann man Reifen mit unterschiedlicher Profiltiefe fahren?

Ja. Die StVZO schreibt vor, dass Reifen der gleichen Bauart verwendet werden müssen. Es ist jedoch erlaubt, Reifen unterschiedlicher Hersteller oder mit unterschiedlichem Verschleißgrad zu kombinieren, solange die Mindestprofiltiefe überall eingehalten wird.

Aus sicherheitstechnischer Sicht ist eine starke Abweichung der Profiltiefe jedoch nicht empfehlenswert. Unterschiedliche Profiltiefen führen zu unterschiedlichen Raddrehzahlen und Haftungseigenschaften. Das kann elektronische Regelsysteme wie ABS und ESP irritieren und das Fahrverhalten des Wagens unberechenbar machen.

Welches Bußgeld droht bei abgefahrenen Reifen?

Fahren Sie mit älteren Reifen, die einen starken Reifenverschleiß haben und daher die Mindestprofiltiefe nicht erreichen, droht Ihnen ein Bußgeld. Der Bußgeldkatalog sieht für einen solchen Verstoß folgende Sanktionen vor:

TatbestandBußgeldPunkte Lohnt ein Einspruch?
Sie haben ein Fahrzeug mit Reifen betrieben, welche nicht den Wetter-verhältnissen angepasst sind (Winterreifen)60 €1Hier prüfen **
…mit Behinderung80 €1Hier prüfen **
…mit Gefährdung100 €1Hier prüfen **
…mit Unfallfolge120 €1Hier prüfen **
Sie haben ein Kraftfahrzeug (ausgenommen Mofas) oder einen Anhänger mit Reifen betrieben, welche keine ausreichenden Profilrillen bzw. keine ausreichende Profitiefe besaßen60 €1Hier prüfen **
…mit Gefährdung75 €1Hier prüfen **
…mit Unfall90 €1Hier prüfen **
Sie haben als Halter die Nutzung eines Kraftfahrzeugs (ausgenommen Mofas) oder Anhängers erlaubt, dessen Reifen keine ausreichenden Profilrillen bzw. keine ausreichende Profitiefe besaßen75 €1Hier prüfen **
Sie haben ein Mofa benutzt, das keine ausreichenden Profilrillen oder keine ausreichende Profiltiefe hatte.25 €Hier prüfen **
Sie haben als Halter die Nutzung eines Mofas erlaubt, welches keine ausreichenden Profilrillen oder Profiltiefe aufwies.35 €Hier prüfen **

Was sind die Ursachen für ungleichmäßigen Reifenverschleiß?

Der Verschleiß ist nicht unbedingt gleichmäßig über den Reifen verteilt. Ungleichmäßiger Reifenverschleiß kann ein Warnsignal für falsche Einstellungen oder Defekte am Fahrwerk sein. Welche Arten der Unregelmäßigkeiten es gibt und was die möglichen Ursachen sind, veranschaulicht diese Liste:

Reifenverschleiß in der Mitte oder an den Seiten

Was genau bedeutet ein unregelmäßiger Reifenverschleiß?
Was genau bedeutet ein unregelmäßiger Reifenverschleiß?

Ein Verschleiß nur in der Mitte der Lauffläche deutet fast immer auf einen zu hohen Reifendruck hin. Durch den Überdruck wölbt sich der Reifen, sodass hauptsächlich die Mitte Kontakt zur Fahrbahn hat und sich dort abnutzt.

Umgekehrt verhält es sich beim Reifenverschleiß an beiden Schultern. Ein zu niedriger Reifendruck führt dazu, dass nur die Seiten des Reifens in Kontakt mit der Fahrbahn kommen und dadurch schneller abgenutzt werden. Auch der Benzinverbrauch erhöht sich dadurch schneller.

Reifenverschleiß innen

Wenn der Reifen auf der Innenseite stärker abgefahren ist als außen, ist die Ursache oft ist ein zu starker negativer Sturz, bei dem die Räder oben enger zusammenstehen als unten, oder eine Nachspur. Auch defekte Fahrwerksteile, wie beispielsweise abgenutzte Querlenkerbuchsen, können diesen einseitigen Abrieb verursachen.

Bei einem negativen Sturz, entsteht der Reifenverschleiß innen am Reifen.
Bei einem negativen Sturz, entsteht der Reifenverschleiß innen am Reifen.

Reifenverschleiß außen

Zeigt sich der Reifenverschleiß eher an der Außenseite des Reifens, ist oft ein zu positiver Sturz oder eine zu starke Vorspur dafür verantwortlich. Doch auch der eigene Fahrstil spielt eine Rolle: Wer sein Fahrzeug sehr sportlich und mit hohen Geschwindigkeiten durch Kurven bewegt, belastet das äußere Rad extrem, was den Verschleiß an dieser Stelle beschleunigt.

Ist der Reifenverschleiß außen, liegt das möglicherweise an einem positiven Sturz.
Ist der Reifenverschleiß außen, liegt das möglicherweise an einem positiven Sturz.

Fleckiger Verschleiß

Wenn der Reifenverschleiß unregelmäßig oder fleckig ist, ist dies oft ein Alarmzeichen für defekte Fahrwerkskomponenten. Verantwortlich hierfür können z. B. defekte Stoßdämpfer sein. Der Verschleiß entsteht dadurch, dass das Rad unkontrolliert auf die Straße springt und in kurzen Abständen den Bodenkontakt verliert, wodurch das Profil nur an diesen Stellen abgenutzt wird.

Folgende Grafik veranschaulicht, wie ein unregelmäßiger Reifenverschleiß aussehen kann.

Auswirkungen vom ungleichmäßigen Reifenverschleiß

Die Folgen eines unregelmäßigen Reifenverschleißes sind einerseits finanziell, weil Sie sich schneller neue Reifen kaufen müssen. Andererseits wird auch Ihre Sicherheit gefährdet, denn durch diese Unregelmäßigkeit entsteht unter anderem:

  • ein verlängerter Bremsweg, denn ungleichmäßig abgenutzte Reifen haben weniger Kontaktfläche zur Straße
  • Aquaplaning-Gefahr, weil die abgefahrenen Bereiche Wasser nicht mehr effektiv verdrängen können
  • Instabiles Fahrverhalten, wenn der Wagen zur Seite zieht oder schlecht auf Lenkbewegungen reagiert

Wie können Sie den Reifenverschleiß so gering wie möglich halten?

Nimmt der Reifenverschleiß bei zu niedrigem Reifendruck langsamer ab?
Nimmt der Reifenverschleiß bei zu niedrigem Reifendruck langsamer ab?

Der Reifenverschleiß an sich ist unvermeidlich, allerdings beeinflussen die Fahrweise und Pflege der Reifen, wie schnell diese abnutzen. Die Geschwindigkeit des Reifenverschleißes nimmt möglicherweise ab, indem Sie folgende Punkte beachten:

  • Reifendruck regelmäßig prüfen: Kontrollieren Sie alle zwei Wochen den Druck. Orientieren Sie sich an den Herstellervorgaben (meist im Tankdeckel oder Türrahmen).
  • Fahrweise anpassen: Kavalierstarts, Vollbremsungen und schnelles Kurvenfahren radieren das Gummi regelrecht ab. Vorausschauendes Fahren spart Profil.
  • Bordsteine meiden: Fahren Sie Bordsteine nur im stumpfen Winkel und sehr langsam hoch, um die Karkasse nicht zu beschädigen.
  • Achsvermessung: Lassen Sie bei ungleichmäßigem Ablaufbild sofort Spur und Sturz in der Werkstatt prüfen.
  • Lagerung: Lagern Sie Saisonreifen kühl, dunkel und trocken, um die Alterung des Gummis zu verlangsamen.

Wann müssen Sie wegen Reifenverschleiß Ihre Reifen wechseln?

Neben der gesetzlichen Grenze von 1,6 mm sollten Sie auch das Alter der Reifen im Blick behalten. Selbst bei gutem Profil härtet die Gummimischung nach etwa 6 bis 8 Jahren aus. Dies reduziert den Grip drastisch. Ein Wechsel ist also erforderlich, wenn die Profiltiefe zu gering ist oder die Reifen zu alt sind.

Sonderfall: Der Reifenverschleiß am E-Auto

Der Reifenverschleiß wird bei Elektrofahrzeugen oft beschleunigt.
Der Reifenverschleiß wird bei Elektrofahrzeugen oft beschleunigt.

Der Reifenverschleiß bei einem E-Auto ist oft höher als bei anderen Autos. Elektrofahrzeuge wiegen aufgrund der Batterie mehr und haben ein höheres Drehmoment. Das bedeutet, dass sie beim Anfahren sofort ihre vollständige Kraft auf die Reifen auswirken. Diese Faktoren wirken sich auf die Reifen aus und erhöhen die Belastung.

Mittlerweile bieten einige Hersteller jedoch spezielle „EV-Reifen“ an. Diese haben eine härtere Gummimischung und eine verstärkte Karkasse, um dieser Belastung entgegenzuwirken.

Über den Autor

Jan Frederik Strasmann (Rechtsanwalt)
Jan Frederik Strasmann, LL. M.

Jan Frederik Strasmann ist seit 2014 zugelassener Rechtsanwalt. Zuvor studierte er in Bremen und absolvierte sein Referendariat am OLG Celle. Seinen Master of Laws (LL. M.) erwarb er in Dublin. Auf bussgeldkatalog.net informiert er seine Leser u. a. über das Bußgeldverfahren.

** Anzeige
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (59 Bewertungen, Durchschnitt: 4,40 von 5)
Loading ratings...Loading...

Weitere Ratgeber