Gesetzliche Arbeitszeit für Lkw-Fahrer: Welche Vorschriften gelten?

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Welche Vorgaben enthält das Arbeitszeitgesetz für Kraftfahrer?

Die Vorschriften zur Arbeitszeit der Lkw-Fahrer dienen dem Arbeitsschutz aber auch der Verkehrssicherheit.
Die Vorschriften zur Arbeitszeit der Lkw-Fahrer dienen dem Arbeitsschutz aber auch der Verkehrssicherheit.

Damit wir jeden Tag im Supermarktregal die gewünschten Produkte vorfinden, müssen zahlreiche Berufskraftfahrer quer durch Europa fahren. Um trotz des ständigen Zeitdrucks den Arbeitsschutz der Fahrer und die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu gewährleisten, definiert der Gesetzgeber sowohl Lenk- und Ruhezeiten als auch maximale Arbeitszeiten für die Branche.

Doch welche gesetzlichen Vorgaben gelten zur Arbeitszeit für Berufskraftfahrer? Wie werden Bereitschafts-, Lenk- und Ruhezeiten bei der Arbeitszeit berücksichtigt? Und welche Sanktionen drohen, wenn die tägliche bzw. wöchentliche Arbeitszeit der Lkw-Fahrer verstoßen wird? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Arbeitszeit für Lkw-Fahrer

Welche Vorschriften gelten für die tägliche Arbeitszeit der Kraftfahrer?

In der Regel ist die Arbeitszeit für Lkw-Fahrer pro Tag auf acht Stunden begrenzt. Allerdings sieht der Gesetzgeber Ausnahmeregelungen vor, die eine zweitweise Verlängerung ermöglichen. Worauf es dabei zu achten gilt, erfahren Sie hier.

Ist Lenkzeit gleich Arbeitszeit?

Laut Arbeitszeitgesetz sind Lenk- und Arbeitszeit für Lkw-Fahrer nicht pauschal gleichzusetzen. Denn neben der Lenkzeit gehören auch weitere Tätigkeiten zur Arbeitszeit. Hierbei kann es sich zum Beispiel um das Be- und Entladen, Reparaturarbeiten oder auch Maßnahmen, die der Sicherheit von Fahrzeug und Ladung dienen, handeln.

Was droht, wenn Berufskraftfahrer die maximale Arbeitszeit überschreiten?

In diesem Fall können sowohl dem Unternehmer als auch dem Lkw-Fahrer mit Sanktionen drohen. Wie hoch diese im Einzelnen ausfallen, verrät diese Bußgeldtabelle.

Welche Vorgaben gelten für Lkw-Fahrer zur Arbeitszeit?

Arbeitszeiten für Lkw-Fahrer: In Nahverkehr und Fernverkehr gelten üblicherweise die gleichen Vorgaben.
Arbeitszeiten für Lkw-Fahrer: In Nahverkehr und Fernverkehr gelten üblicherweise die gleichen Vorgaben.

Bevor wir uns eingehend mit den Vorschriften zur Arbeitszeit beschäftigen, gilt es den Begriff zu klären. Grundsätzlich handelt es sich dabei um die Zeitspanne zwischen dem Arbeitsbeginn und dem Arbeitsende, wobei die Ruhezeiten nicht berücksichtigt werden. Somit umfasst die Arbeitszeit unter anderem folgende Tätigkeiten:

  • Lenkzeit
  • Be- und Entladen
  • Reinigung und technische Wartung
  • Reparaturarbeiten, Vor- und Anschlussarbeiten
  • sonstige Arbeitszeiten (z. B. Maßnahmen, die der Sicherheit von Fahrzeug und Ladung dienen)

 Die Überlegung „Arbeitszeit gleich Lenkzeit“ ist somit ein verbreiteter Irrglaube. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass eine mögliche Bereitschaftszeit nicht zur Arbeitszeit der Lkw-Fahrer zählt. Da es sich hierbei aber um eine betriebliche Anwesenheitszeit handelt, ist dieser Zeitraum bei der Einlegung der Ruhezeiten zu berücksichtigen.

Die Regelungen zur Arbeitszeit für Lkw-Fahrer ergeben sich aus zwei verschiedenen Gesetzen. So greift für selbstständige Lkw-Fahrer das Gesetz zur Regelung der Arbeitszeit von selbständigen Kraftfahrern (KrFArbZG). Liegt hingegen ein Angestelltenverhältnis vor, gilt das Arbeitszeitengesetz (ArbZG) für Berufskraftfahrer. Welche Vorschriften die jeweiligen Gesetzestexte definieren, klären wir nachfolgend.

 Laut § 3 Abs. 2 KrFArbZG darf die Wochenarbeitszeit der selbstständigen Lkw-Fahrer 48 Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf 60 Stunden ist allerdings möglich, wenn der Durchschnitt der wöchentlichen Arbeitsstunden innerhalb von vier Monaten 48 Stunden beträgt.

Auch das Arbeitszeitgesetz für angestellte Lkw-Fahrer sieht grundsätzlich eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden vor, die sich ggf. auf 60 Stunden verlängern lässt. Darüber hinaus definiert der Gesetzgeber in § 3 ArbZG eine werktägliche Arbeitszeit. Für Lkw-Fahrer und alle anderen Arbeitnehmer beträgt diese acht Stunden. Eine Verlängerung auf zehn Stunden ist zulässig, wenn ein Ausgleich erfolgt und somit die tägliche Arbeitszeit innerhalb von sechs Monaten im Durchschnitt die acht Stunden nicht überschreitet.

Maximale Arbeitszeit für Lkw-Fahrer überschritten: Drohen Sanktionen?

Wenn Fahrer von Lkw gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen, sind Bußgelder möglich.
Wenn Fahrer von Lkw gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen, sind Bußgelder möglich.

Halten sich Kraftfahrer nicht ans Arbeitszeitgesetz bzw. ans Gesetz zur Regelung der Arbeitszeit von selbständigen Kraftfahrern, müssen Sie mit Sanktionen rechnen. Zuständig für die Überprüfung der Einhaltung der Arbeitszeitregelungen ist dabei das Bundesamt für Güterverkehr (BAG).

Welche Bußgelder drohen, wenn die Vorschriften zur Arbeitszeit für Lkw-Fahrer nicht eingehalten werden, zeigt die nachfolgende Tabelle:

Tatbestand Bußgeld
Arbeitnehmer über die Grenzen der durchschnittlichen Arbeitszeit innerhalb des Ausgleichs­zeitraumes von 4 Monaten beschäftigt.300 Euro je angefangene 6 Minuten
Selbstständige Kraftfahrer überschreiten die wöchentliche Arbeitszeit.75 Euro je angefangene Stunde

Bei angestellten Lkw-Fahrern müssen in der Regel die Unternehmer das Bußgeld für eine Missachtung der Arbeitszeit zahlen, denn dieser trägt die Sorgfaltspflicht für seine Mitarbeiter. Die im Bußgeldkatalog angeführten Sanktionen werden dabei pro Angestellten erhoben, sodass sich die Geldsanktion schnell zu einer hohen Summe addieren kann.

Wichtig! Neben den Vorschriften zur Arbeitszeit müssen Lkw-Fahrer auch die Vorgaben zu den Lenk- und Ruhezeiten beachten. Denn dabei handelt es sich grundsätzlich um zwei unabhängig voneinander geltende Regelungen.

Bildnachweise: depositphotos.com/jonson (Header), istockphoto.com/RCarner

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