Schichtzeit für Lkw-Fahrer: Was das Gesetz dazu besagt

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Lange Arbeitstage für Berufskraftfahrer

An welche Vorschriften zur Schichtzeit müssen sich Lkw-Fahrer halten?
An welche Vorschriften zur Schichtzeit müssen sich Lkw-Fahrer halten?

Für die Arbeit als Berufskraftfahrer gilt es zahlreiche gesetzliche Vorgaben und Gesetze zu beachten, die einerseits einen gewissen Arbeitsschutz gewährleisten und andererseits für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen sollen. Dabei können die verschiedenen Begriffe und Bezeichnungen unter Umständen schnell zu Verwirrung und Fehlinterpretationen führen. So müssen zum Beispiel die Lenk-, Arbeits- und Schichtzeit beim Lkw-Fahrer separat betrachtet werden

Doch welche Tätigkeiten und Zeiten umfasst eine Schicht? Schreibt der Gesetzgeber eine Begrenzung der Schichtzeit für Berufskraftfahrer vor? Welche Auswirkungen hat es, wenn ein zweiter Fahrer mit an Bord ist? Und welche Sanktionen drohen, wenn ein Lkw-Fahrer seine Schichtzeit überschritten hat? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

Bußgeldtabelle zur Schichtzeit von Lkw-Fahrern

TatbestandBußgeld für den FahrerBußgeld für das Unternehmen
Verstoß gegen die tägliche Ruhezeit
… bis zu einer Stunde30 Euro
… bis zu 3 Stunden je Stunde30 Euro90 Euro
… mehr als 3 Stunden je Stunde60 Euro180 Euro

Bußgeldrechner zu dem Lenk-und Ruhezeiten

FAQ: Schichtzeit für Lkw-Fahrer

Was fällt alles unter die Schichtzeiten?

Eine Erklärung des Begriffs finden Sie hier.

Ist es zulässig, dass die Schichtzeit für Lkw-Fahrer 15 Stunden beträgt?

Mit Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben zu Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten kann die Schichtzeit maximal 15 Stunden betragen. Möglich ist dies durch die Reduzierung der täglichen Ruhezeit auf mindestens 9 Stunden. 

Welche Sanktionen drohen, wenn die Schichtzeit durch Lkw-Fahrer überzogen wurde?

In diesem Fall sieht der Gesetzgeber Sanktionen vor. Was dabei im Einzelnen droht, verrät diese Bußgeldtabelle.

Definition des Begriffs „Schicht“

Bei Fahrten mit dem Lkw wird die Schichtzeit durch die Regelungen zum Arbeitsschutz begrenzt.
Bei Fahrten mit dem Lkw wird die Schichtzeit durch die Regelungen zum Arbeitsschutz begrenzt.

Als Schicht wird grundsätzlich die Zeit zwischen Arbeitsbeginn und Arbeitsende bezeichnet. Sie beginnt also üblicherweise mit dem Erscheinen am Arbeitsplatz und endet mit dem Verlassen des Büros, der Werkstatt oder der Fabrik. Bei Berufskraftfahrern kann sich diese vermeintlich einfache und eindeutige Definition allerdings etwas schwierig gestalten. So beinhaltet die Schichtzeit der Lkw-Fahrer unter anderem folgende Bestandteile:

  • Arbeitszeit
  • Lenkzeit
  • Bereitschaftszeit
  • Fahrtunterbrechung
  • Ruhepausen

 Die Schichtzeit entspricht demnach also nicht nur der Lenkzeit, sondern umfasst auch alle anderen Tätigkeiten. Dazu zählen zum Beispiel das Be- und Entladen, die Prüfung von Ladung und Papieren, Stopps zum Tanken, das Warten im Stau sowie Pausen, die kürzer als eine Stunde sind.

Vorschriften zur Schichtzeit von Lkw-Fahrern

Um sicherzustellen, dass trotz dieser zahlreichen Aufgaben und der reinen Fahrtzeit der Arbeitsschutz nicht zu kurz kommt, schreibt der Gesetzgeber konkrete Pausen und Ruhezeiten vor. So ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 eine reguläre tägliche Ruhezeit von mindestens 11 Stunden, sodass eine Schicht maximal 13 Stunden andauern kann.

Allerdings besteht auch die Möglichkeit, die tägliche Ruhezeit auf mindestens 9 Stunden zu reduzieren. Dies kann dazu führen, dass Lkw-Fahrer eine 15 Stunden andauernde Schichtzeit absolvieren. Eine solche Reduzierung ist aber nur drei Mal zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten erlaubt und ein Ausgleich muss dafür nicht erfolgen.

Auch wenn eine 15-stündige Schicht zulässig ist, bedeutet dies nicht automatisch, dass der Kraftfahrer auch so lange arbeiten darf. Denn in § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) heißt es:

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Es ist laut Gesetz also eigentlich nicht erlaubt, mehr als 10 Stunden zu arbeiten. Die lange Schichtzeit für Lkw-Fahrer kommt zustande, weil auch Pausen und Bereitschaftszeiten dabei berücksichtigt werden.

Beachten Sie zudem, dass während der Arbeitszeit auch die tägliche Lenkzeit zu erfolgen hat. Diese beträgt regulär maximal 9 bzw. durch eine Erhöhung, die zweimal in der Woche möglich ist, maximal 10 Stunden.

Schichtzeit bei Doppelbesatzung im Lkw: Gelten Besonderheiten?

Sonderregeln bei der Schichtzeit: Bilden 2 Fahrer die Besatzung, darf der Lkw bis zu 20 Stunden fahren.
Sonderregeln bei der Schichtzeit: Bilden 2 Fahrer die Besatzung, darf der Lkw bis zu 20 Stunden fahren.

Gibt es eine 2-Fahrer-Besatzung im Lkw, kann die Schichtzeit länger ausfallen. Denn gemäß der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 Art. 8 Abs. 5 reicht es aus, wenn die Fahrer innerhalb eines Zeitraums von 30 Stunden gemeinsam ihre Tagesruhezeit nehmen. Diese muss dann mindestens 9 Stunden am Stück betragen. Wichtig ist dabei, dass das Fahrzeug steht.

Durch die optimale Ausnutzung der erlaubten Lenkzeiten ist es möglich, dass der Lkw für 20 Stunden ohne Unterbrechung unterwegs ist. Die Lenkzeitunterbrechung verbringt der jeweilige Fahrer dann auf dem Beifahrersitz oder in der Kabine.

Bildnachweise: istockphoto.com/jacekt76 (Header), depositphotos.com/maxym, istockphoto.com/Milous, istockphoto.com/Nastco

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