Schmerzensgeld ohne Anzeige: Besteht dennoch ein Anspruch?

Können Sie Schmerzensgeld auch ohne vorherigen Strafantrag einfordern?

Schmerzensgeld ohne vorherigen Strafantrag oder eine Anzeige beantragen?

Können Sie Schmerzensgeld auch ohne vorherigen Strafantrag einfordern?

Können Sie Schmerzensgeld auch ohne vorherigen Strafantrag einfordern?

Geschädigte, die im Zuge einer Handlung Dritter körperliche oder schwere psychische Schäden und Schmerzen erlitten haben, können nach § 253 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) regelmäßig einen Schmerzensgeldanspruch geltend machen. Verantwortlich für dessen Ausgleich ist der Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherung.

Doch müssen Sie das Schadensereignis anzeigen oder können Sie das Schmerzensgeld auch ohne Strafanzeige geltend machen?

Anspruch auf Schmerzensgeld bleibt auch ohne Anzeige der Tat oder Strafantrag bestehen!

Grundsätzlich ist die Durchsetzung von Schmerzensgeldansprüchen nicht an eine strafrechtliche Verfolgung gebunden. Das liegt vor allem darin begründet, als es sich um zwei unterschiedliche Rechtsgebiete handelt, die hier angesprochen sind:

  1. Die Verfolgung der begangenen Straftat (z. B. fahrlässige Körperverletzung nach einem Unfall) fällt in den Bereich des Strafrechts.
  2. Die Durchsetzung von Schmerzensgeld vonseiten des Geschädigten ist ein zivilrechtlicher Anspruch.
Daraus, dass hier zwei unterschiedliche Rechtsbereiche berührt sind, ergibt sich, dass das Schmerzensgeld grundsätzlich auch ohne Anzeige der Straftat geltend gemacht werden kann. Allerdings kann im Einzelfall die strafrechtliche Bewertung auch in die zivilrechtliche Entscheidung einfließen, als hier die Schuldfrage oder die Motivation des Schädigers ermittelt wird. Diese Faktoren wiederum können sich bei der Schmerzensgeldberechnung auf die Höhe der Ausgleichssumme auswirken.

Darüber hinaus bedarf es nicht bei allen Straftaten eines Strafantrages, sondern nur bei solchen, die als Antragsdelikte definiert sind. Hierunter fallen etwa die fahrlässige und die einfache Körperverletzung. Eine gefährliche Körperverletzung hingegen ist Offizialdelikt. Als solches wird das Vergehen von Amts wegen strafrechtlich verfolgt. Das Opfer muss keine Anzeige erstatten oder einen Strafantrag stellen, um dies in Gang zu setzen. Auch hier kann dann Schmerzensgeld ohne zuvor erfolgte Anzeige eingefordert werden.

Adhäsionsverfahren: Kombination aus Straf- und Zivilprozess

Grundsätzlich können Sie Schmerzensgeld auch ohne vorherige Anzeige geltend machen.

Grundsätzlich können Sie Schmerzensgeld auch ohne vorherige Anzeige geltend machen.

Auch wenn Ahndung der Straftat und Schmerzensgelddurchsetzung grundsätzlich in zwei verschiedene Rechtsbereiche fällt, besteht auch die Möglichkeit einer Kopplung beider Verfahren. Bei einem sogenannten Adhäsionsverfahren handelt es sich vordergründig um ein gängiges Strafverfahren.

An dieses angebunden werden kann jedoch die Geltendmachung des Schmerzensgeldanspruches auf Seiten des Geschädigten. Der Richter entscheidet dann neben der Strafe für den Täter auch über das dem Opfer zuzusprechende Schmerzensgeld.

Bei Antragsdelikten ist diese Verknüpfung von Strafverfahren und Durchsetzung von Schmerzensgeld ohne Anzeige der Tat und ohne vonseiten des Opfers gestellten Strafantrag oftmals nicht möglich, denn:

Hier eröffnet die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren in der Regel erst auf Antrag des Geschädigten. Sieht sie strafrechtliche Relevanz, kann sie Anklage gegen den Beschuldigten erheben.

Der Vorteil dieser Zusammenlegung: Der Richter kennt auch den Fall, der der Schmerzensgeldforderung zugrunde liegt und kann besser einschätzen, inwieweit das Verschulden des Beschuldigten die Höhe des Schmerzensgeldes beeinflusst.

Aber: Wurde das Schmerzensgeld – mit oder ohne Strafantrag – in einem Adhäsionsverfahren festgelegt und ist die Entscheidung rechtskräftig, kann der Schmerzensgeldanspruch nicht noch einmal in einem gesonderten zivilrechtlichen Verfahren geltend gemacht werden. Das würde andernfalls bedeuten, dass der Geschädigte zweimal Schmerzensgeld erhält.
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