Schmerzensgeld: Die Höhe ist einzelfallabhängig

Eine Schmerzensgeldberechnung wird von vielen Faktoren beeinflusst

Über die Höhe vom Schmerzensgeld kann im Einzelfall nie eine pauschale Aussage getroffen werden.

Über die Höhe vom Schmerzensgeld kann im Einzelfall nie eine pauschale Aussage getroffen werden.

Ist der erste Schock nach einem Unfall oder einer Körperverletzung verarbeitet, geht es neben dem Heilungsprozess oft auch um ein angemessenes Schmerzensgeld. Die Höhe eines solchen oder auch erst einmal die Frage, ob überhaupt ein Anspruch besteht, ist für viele Laien schwer zu klären.

Neben körperlichen Verletzungen, die aus Unfällen oder Körperverletzungen resultieren, können auch seelische Belastungen, die etwa durch Mobbing oder eine öffentliche Bloßstellung hervorgerufen wurden, einen Anspruch auf Schmerzensgeld begründen. Welche Schmerzensgeld-Höhe im Einzelfall realistisch ist, lässt sich jedoch oft nur schwer beurteilen. Was wichtig ist, um Schmerzensgeld berechnen zu können, muss immer individuell entschieden werden.

Der nachfolgende Artikel befasst sich mit Fragen wie, „Wie viel Schmerzensgeld bekomme ich?“ oder „Wie wird Schmerzensgeld eigentlich berechnet?“ und geht näher darauf ein, welche Faktoren das Schmerzensgeld und dessen Höhe beeinflussen können.

Die Höhe des Schmerzensgeldes ist nie pauschal bestimmbar

Verkehrsunfälle oder Körperverletzungen durch andere Personnen zählen zu den häufigsten Gründen, warum Schmerzensgeld gefordert wird. Doch auch andere Ursachen, wie zum Beispiel ärztliche Behandlungsfehler oder Mobbing, können für einen Anspruch auf Schmerzensgeld mitunter ausreichen.

Gesetzlich gesehen, gibt es keinen Paragraphen, der sich explizit auf ein Schmerzensgeld oder dessen Höhe bezieht. Es gibt dennoch eine rechtliche Grundlage für einen Anspruch. Der Paragraph 253 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ist hierbei von Bedeutung. Dieser befasst sich mit dem Ausgleich immaterieller Schäden.

Solche Schäden liegen immer dann vor, wenn eine Verletzung:

  • des Körpers,
  • der Gesundheit,
  • der Freiheit
  • oder der sexuellen Selbstbestimmung geschehen ist.
Für die Höhe des Schmerzensgeldes sind die erlittenen Verletzungen von Bedeutung.

Für die Höhe des Schmerzensgeldes sind die erlittenen Verletzungen von Bedeutung.

In diesen Fällen können Geschädigte Schaden­sersatz in Form von Geld verlangen. Das Schmerzensgeld ist ein solcher Schadensersatz. Hierbei spielen nicht nur körperliche Verletzungen eine Rolle, sondern auch psychische Traumata wie Depressionen, Neurosen (Angststörungen) oder auch Störungen, die durch Schock ausgelöst werden.

Es sollen durch die Zahlungen daher nicht nur erlittene Schäden ausgeglichen werden, sondern auch eine gewisse Art an Genugtuung stattfinden. Da Verletzungen nie gleich sind und auch seelische Traumata sich bei jedem Geschädigten anders auswirken, kann ein Schmerzensgeld, beziehungsweise dessen Höhe, nie pauschal festgelegt werden.

Es sind bei einer Entscheidung zur Höhe des Schmerzensgeldes immer mehrere Faktoren wichtig. Zum sollte keine Mitschuld des Antragstellers vorliegen und die Schuld des Schädigers eindeutig vorhanden sein. Zum anderen kommt es darauf an, wie schwer die Verletzungen sind.

Darüber hinaus ist es auch wichtig zu beachten, dass Schmerzensgeldbeträge Teil des Zivilrechts sind, wenn sie nicht parallel im Strafverfahren verhandelt werden. Die Taten an sich sind nach dem Strafgesetzbuch (StGB) zu beurteilt, wohingegen der Anspruch auch eine Entschädigung auch außergerichtlich oder in einem Zivilprozess entschieden werden kann.

Das Schmerzensgeld und dessen Höhe unterliegen also verschiedenen Bedingungen und Einflüssen, sodass Betroffenen die Frage „Wieviel Schmerzensgeld steht mit zu?“, wie gesagt, nicht pauschal beantwortet werden kann. Opfer müssen daher Schmerzensgeld individuell beantragen.

Wie berechnet man Schmerzensgeld nun?

Da ein Anspruch auf Schmerzensgeld und dessen Höhe vom individuellen Fall und den Gegebenheiten abhängig sind, gibt es keinen Schnmerzensgeldrechner. Durch die im § 253 BGB festgelegte Billigkeit in Bezug auf die Schmerzensgeldhöhe besteht ein gewisser Spielraum, den Richter oder außergerichtliche Verhandlungsparteien anwenden können.

Es kann durchaus jederzeit vorkommen, dass verschiedene Geschädigte für identische Verletzungen Schmerzensgeld in unterschiedlicher Höhe zugesprochen bekommen. Der zuständige Richter, wenn es zu einer Verhandlung kommt, entscheidet aufgrund der vorliegenden Beweise über die Höhe vom Schmerzensgeld. Die Berechnung kann mit Hilfe einer sogenannten Schmerzensgeldtabelle erfolgen.
Als Hilfsmittel für die Feststellung der Höhe vom Schmerzensgeld kann eine Tabelle herangezogen werden.

Als Hilfsmittel für die Feststellung der Höhe vom Schmerzensgeld kann eine Tabelle herangezogen werden.

Diese Tabellen sind Urteilssammlungen mit vorherigen Entscheidungen über Entschädigungen bei bestimmten Verletzungs- oder Traumatamustern. Diese stellt für das Schmerzensgeld jedoch keinen Rechner dar, da es sich auch hier um individuelle Urteile handelt, die als Orientierungshilfe dienen sollen.

Die Entscheidungen zum Schadenersatz oder zum Schmerzensgeld in einer Tabelle haben rein informativen Charakter und für alle weiteren Einzelfälle keine rechtlich bindende Wirkung.

Ein Schmerzensgeld und dessen Höhe zu berechnen, kann mitunter ein komplizierter Prozess sein. Alle beteiligten Parteien, also neben dem auch Anwälte, Geschädigte oder Schädiger können diesen Tabellen nutzen, um Ansprüche einordnen zu können.

Eine solche Schmerzensgeldtabelle ist meist kostenlose verfügbar und beinhaltet zuvor anerkannte Schmerzensgeldsätze in Deutschland. In einer solchen Liste ist das Schmerzensgeld meist nach Verletzungsarten gegliedert, sodass sich Geschädigte und auch Richter einen Überblick verschaffen können, wie viel in einzelnen Fällen für welche Art von Verletzung gezahlt wurde.

Die gängigste Schmerzensgeldtabelle in Deutschland stellt die Beck‘sche Tabelle dar, die durch den Rechtsanwalt Andreas Slizyk erstellt wird. Darüber hinaus gehören auch die vom ADAC herausgegebene Schmerzensgeldtabelle Hacks Ring Böhm sowie die Tabelle des Oberlandesgerichts Celle zu den meist genutzten.

Ein weiterer Aspekt, der für das Schmerzensgeld und dessen Höhe von Bedeutung sein kann, sind die Vermögensverhältnisse beider Parteien. So hat der Bundesgerichtshof (BGH) 1955 entscheiden, dass bei einer Entschädigung in Geldform alle Umstände des Falls betrachtet werden müssen. Hierzu zählen auch die finanziellen Gegebenheiten. Allerdings ist dieses Einbeziehen auch umstritten.

Ein Schädiger soll zwar einen Ausgleich für die durch ihn verursachten Schäden erbringen, jedoch selbst nicht wirtschaftlich geschädigt werden. Wird ihm jedoch ein besonders schweres Vergehen vorgeworfen, kann dieser Grundsatz in den Hintergrund treten.

Schmerzensgeld: Wie hoch kann es in Deutschland sein?

Ein Antrag auf Schmerzensgeld kann eine Liste der Folgeschäden enthalten.

Ein Antrag auf Schmerzensgeld kann eine Liste der Folgeschäden enthalten.

Wie beschrieben, findet die Berechnung vom Schmerzensgeld, also dessen Höhe, in Deutschland meist unter der Berücksichtigung mehrere Faktoren und der Zuhilfenahme von Schmerzensgeldtabellen (auch Schmerzensgeldkatalog genannt) statt.

Neben den erlittenen Verletzungen ist bei der Berechnung zudem auch wichtig, ob und wie lange eine Arbeitsunfähigkeit vorlag, ob es zu Verdienstausfällen gekommen ist und welche Folgeschäden eventuell vorliegen.

So kann eine komplizierte Operation mit anschließender Rehabilitation ein weitaus höheres Schmerzensgeld rechtfertigen als zum Beispiel eine ambulante Behandlung. Auch Beeinträchtigungen in der Lebensführung, wie beispielsweise die Unfähigkeit den eigenen Haushalt zu führen oder Hobbys nachzukommen, können beim Schmerzensgeld dessen Höhe beeinflussen.

Des Weiteren spielt der Grad der Verschuldung beziehungsweise ob eine Mitschuld des Geschädigten vorliegt, eine Rolle, wenn es darum geht für ein Schmerzensgeld die Höhe zu berechnen.

Wie hoch nun die Entschädigung ausfällt, ist, wie im Abschnitt zuvor beschrieben, immer eine Einzelfallentscheidung. Doch das höchste Schmerzensgeld, das in Deutschland gezahlt wurde, beläuft sich auf 635.000 Euro. Dies wurde 2015 Fernsehmoderator Jörg Kachelmann zugesprochen, da durch den Axel-Springer-Konzern dessen Persönlichkeitsrechte verletzt worden waren.

Gibt es Schmerzensgeld pro Tag? Wie wird die Entschädigung ausgezahlt?

Schmerzensgeld: Eine Auflistung der Schäden, z. B. in einem Arztbericht, ist bei der Ermittlung der Höhe ebenfalls wichtig.

Schmerzensgeld: Eine Auflistung der Schäden, z. B. in einem Arztbericht, ist bei der Ermittlung der Höhe ebenfalls wichtig.

Ein Schmerzensgeld, egal welcher Höhe, kann auf zwei verschiedenen Wegen ausgezahlt werden. Zum einen ist eine Einmalzahlung in einer Gesamtsumme möglich, zum anderen kann eine Rentenzahlung veranlasst werden.

In der Regel wird die erste Variante entschieden. Rentenzahlungen hingegen sind oft nur bei bestimmten Folgeschäden eine Option.

Diese wird dann üblicherweise monatlich ausgezahlt, eine tägliche Überweisung ist hier eher unüblich und nur sehr selten zu finden. Auch wird die Höhe der Entschädigung nicht pro Tag berechnet, sondern aufgrund der erlittenen Schäden und Beeinträchtigungen.

Bei der Auszahlung an den Geschädigten, spielt es keine Rolle, ob er Schmerzensgeld aufgrund von einem Unfall oder einer Körperverletzung erhält. Für die Höhe ist nur die Schwere der Verletzung wichtig,

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Kommentare

  1. Helmut sagt:

    Bei einer Staroperation am Auge(neue Kunststoff linse wurde eingesetzt),Diese trübt sich jetzt nach ca 10Jahren ein und die Sehleistung iat um 50% verloren gegangen.Wie hoch ist das Schmerzensgeld

    1. Redaktion sagt:

      Hallo Helmut,

      die Höhe des Schmerzensgeldes wird je nach Einzelfall entschieden. Die Entscheidung darüber trifft in der Regel ein Gericht. Wir können Ihnen daher keine Auskunft geben.

      – Die Redaktion

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