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§ 9, 9a StVO (Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren)

Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren
– Die häufigsten Unfallursachen

Die meisten denken bei Unfällen in erster Linie an überhöhte Geschwindigkeit als Ursache. Tatsächlich aber führen Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren besonders schnell zum Unfall. Gemeinsam mit Verstößen beim Einfahren und Anfahren (§ 10 StVO) sind derlei Vergehen Unfallursache Nummer eins in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt sind insgesamt mehr als 10 Prozent der Unfälle auf ein entsprechendes Fehlverhalten zurückzuführen.

Bußgelder und Punkte gemäß § 9 StVO

Bußgeldrechner: Abbiegen (§ 9 StVO)

Bußgeldkatalog § 9 StVO: Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (§ 9 StVO)

TBNRTatbestand Strafe (€)Punkte
109100Sie bogen ab, ohne die Fahrt­richtungs­änderung rechtzeitig und deutlich anzukündigen.
10
109101Sie bogen ab, ohne die Fahrt­richtungs­änderung rechtzeitig und deutlich anzukündigen, so dass ein nach­folgendes Fahrzeug gefährdet wurde.
30
109102Sie bogen ab, ohne die Fahrt­richtungs­änderung rechtzeitig und deutlich anzukündigen. Es kam zum Unfall.
35
109106Sie bogen nach links/rechts ab, ohne sich vorher ordnungs­gemäß eingeordnet zu haben.
10
109107Sie bogen nach links/rechts ab, ohne sich vorher ordnungs­gemäß eingeordnet zu haben und gefährdeten dadurch andere.
30
109108Sie bogen nach links/rechts ab, ohne sich vorher ordnungs­gemäß eingeordnet zu haben. Es kam zum Unfall.
35
109112Sie bogen nach links/rechts ab, ohne auf den nach­folgenden Verkehr zu achten
10
109113Sie bogen nach links/rechts ab, ohne auf den nach­folgenden Verkehr zu achten und gefährdeten dadurch andere.
30
109114Sie bogen nach links/rechts ab, ohne auf den nach­folgenden Verkehr zu achten. Es kam zum Unfall.
35
109118Sie ordneten sich nach links auf den Schienen ein und behinderten dadurch ein Schienen­fahrzeug.
10
109136Sie bogen ab, ohne ein entgegen­kommendes/in gleicher Richtung fahrendes Fahrzeug durchfahren zu lassen.
20
109142Sie bogen ab, ohne einen in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiter­fahrenden Benutzer des Sonder­fahrstreifens (Zeichen 245) durchfahren zu lassen.
20
109148Sie bogen als Linksabbieger nicht vor dem entgegen­kommenden Linksabbieger ab, obwohl dies möglich war.
10
109172Sie bogen als Linksabbieger ab, ohne den entgegen­kommenden Rechtsabbieger durchfahren zu lassen.
20
109600Sie bogen ab, ohne ein entgegen­kommendes/in gleicher Richtung fahrendes Fahrzeug durch­fahren zu lassen und gefährdeten dadurch andere.
701
109601Sie bogen ab, ohne ein entgegen­kommendes/in gleicher Richtung fahrendes Fahrzeug durch­fahren zu lassen. Es kam zum Unfall.
851
109606Sie bogen ab, ohne einen in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiter­fahrenden Benutzer des Sonder­fahrstreifens (Zeichen 245) durchfahren zu lassen und gefährdeten dadurch andere.
701
109607Sie bogen ab, ohne einen in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiter­fahrenden Benutzer des Sonder­fahrstreifens (Zeichen 245) durchfahren zu lassen. Es kam zum Unfall.
851
109612Sie bogen ab, ohne einen in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiter­fahrenden Radfahrer durchfahren zu lassen und gefährdeten dadurch andere.
701
109613Sie bogen ab, ohne einen in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiter­fahrenden Radfahrer durchfahren zu lassen. Es kam zum Unfall.
851
109618Sie bogen ab, ohne ein in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiter­fahrendes Fahrrad mit Hilfsmotor durchfahren zu lassen und gefährdeten dadurch andere.
701
109619Sie bogen ab, ohne ein in entgegen­kommender/gleicher Richtung geradeaus weiterfahrendes Fahrrad mit Hilfsmotor durchfahren zu lassen. Es kam zum Unfall.
851
109624Sie bogen ab, ohne auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen und gefährdeten diese.
701
109625Sie bogen ab, ohne auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen. Es kam zum Unfall.
851
109630Sie bogen als Links­abbieger nicht vor dem entgegen­kommenden Links­abbieger ab, obwohl dies möglich war und gefährdeten dadurch andere.
701
109631Sie bogen als Links­abbieger nicht vor dem entgegen­kommenden Linksabbieger ab, obwohl dies möglich war. Es kam zum Unfall.
851
109636Sie bogen in das Grundstück ab und ließen dabei die Ihnen obliegende besondere Vorsicht außer Acht und gefährdeten dadurch andere.
801
109637Sie bogen in das Grundstück ab und ließen dabei die Ihnen obliegende besondere Vorsicht außer Acht. Es kam zum Unfall.
1001
109642Sie wendeten auf der Straße und ließen dabei die Ihnen obliegende besondere Vorsicht außer Acht und gefährdeten dadurch andere.
801
109643Sie wendeten auf der Straße und ließen dabei die Ihnen obliegende besondere Vorsicht außer Acht. Es kam zum Unfall.
1001
109648Sie ließen beim Rückwärts­fahren die Ihnen obliegende besondere Vorsicht außer Acht und gefährdeten dadurch andere.
801
109649Sie ließen beim Rückwärts­fahren die Ihnen obliegende besondere Vorsicht außer Acht. Es kam zum Unfall.
1001
109654Sie bogen als Linksabbieger ab, ohne den entgegen­kommenden Rechtsabbieger durchfahren zu lassen und gefährdeten dadurch andere.
701
109655Sie bogen als Linksabbieger ab, ohne den entgegen­kommenden Rechtsabbieger durchfahren zu lassen. Es kam zum Unfall.
851
109177Sie beachteten als nach einer Kreuzung oder Einmündung die Fahrbahn querender Radfahrer nicht den Fahrzeug­verkehr. 15
109178Sie beachteten als nach einer Kreuzung oder Einmündung die Fahrbahn querender Radfahrer nicht den Fahrzeug­verkehr. Sie behinderten dadurch Andere.20
109179Sie beachteten als nach einer Kreuzung oder Einmündung die Fahrbahn querender Radfahrer nicht den Fahrzeug­verkehr. Sie gefährdeten dadurch Andere.25
109180Sie beachteten als nach einer Kreuzung oder Einmündung die Fahrbahn querender Radfahrer nicht den Fahrzeug­verkehr. Es kam zum Unfall. 30
109183Sie bogen als Radfahrer nach links ab, ohne der Radverkehrsführung im Kreuzungs- oder Einmündungs­bereich zu folgen.15
109184Sie bogen als Radfahrer nach links ab, ohne der Radverkehrsführung im Kreuzungs- oder Einmündungs­bereich zu folgen. Sie behinderten dadurch Andere.20
109185Sie bogen als Radfahrer nach links ab, ohne der Radverkehrs­führung im Kreuzungs- oder Einmündungs­bereich zu folgen. Sie gefährdeten dadurch Andere.25
109186Sie bogen als Radfahrer nach links ab, ohne der Radverkehrs­führung im Kreuzungs- oder Einmündungs­bereich zu folgen. Es kam zum Unfall.30
Paragraph 9a StVO (Kreisverkehr) ist mit Veröffentlichung der neuen Fassung im Jahre 2009 weggefallen und wird daher im Folgenden nicht thematisiert.

“Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen; dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen.” (§ 10 Absatz 1 StVO)

Hauptgrund für die hohe Unfallgefahr beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren? Der nicht gesetzte Blinker – oder auch Fahrtrichtungsanzeiger. Der Blinker ist laut StVO grundsätzlich immer obligatorisch zu setzen, bevor der Fahrer mit dem Auto abbiegen oder den Fahrstreifen wechseln will. Doch egal ob absichtlich oder versehentlich – immer wieder lassen Autofahrer das Blinklicht weg und sorgen so für Verwirrung unter den anderen Verkehrsteilnehmern oder im schlimmsten Fall sogar für einen Unfall.

Fehlendes Blinken ist ein häufiger Grund für einen Unfall beim Wenden, Rückwärtsfahren und Abbiegen.
Fehlendes Blinken ist ein häufiger Grund für einen Unfall beim Wenden, Rückwärtsfahren und Abbiegen.

Viele Personen vergessen, das Ändern der Fahrtrichtung rechtzeitig anzukündigen. Manche tun dies gar mit Vorsatz. Für andere Verkehrsteilnehmer ist dann nicht erkennbar, dass der andere irgendwo einbiegen möchte. Auffahrunfälle sind meist die Folge. Eine nicht rechtzeitig angezeigte Fahrtrichtungsänderung mit Unfallfolge wird von der StVO mit 35 Euro geahndet.

Eine weiteres Fehlverhalten, das gegen § 10 StVO zum Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren verstößt, ist schlichtweg Unachtsamkeit. Jeder Autofahrer hat in der Fahrschule das korrekte Vorgehen beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren gelernt. Zuerst der Blick in den Rückspiegel, dann in den bzw. die Seitenspiegel letztlich gefolgt vom Schulterblick.
Erst wenn durch dieses Vorgehen sichergestellt ist, dass weder Fußgänger, Fahrradfahrer noch andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden können, gilt: Blinker setzen, durch den Schulterblick gewährleisten, dass sich auch keine Hindernisse oder Verkehrsteilnehmer im toten Winkel befinden, lenken und vorsichtig abbiegen.

Sonderfall “abbiegende Vorfahrtstraße”:
Blinken ist in diesem Falle nicht vorgeschrieben, wenn Sie der Vorfahrstraße folgen. Wollen Sie jedoch geradeaus weiterfahren und damit die abbiegende Hauptstraße verlassen, müssen Sie den Blinker entsprechend setzen, um dies dem nachfolgenden Verkehr anzuzeigen.

Es ist auch darauf zu achten, dass Sie nicht beliebig in jede Straße einbiegen dürfen. Einbahnstraßen dürfen nicht in falscher Richtung befahren werden, was das “Einfahrt Verboten”-Schild (weißer Balken auf rotem Grund) gewährleisten soll. Auch Richtungsangaben durch Beschilderung mit weißem Pfeil auf blauem Grund können das Abbiegen oder Wenden untersagen: Zeigt der Pfeil an einer Ampel geradeaus und links, darf in diese Richtungen abgebogen bzw. gefahren werden – damit ist das Abbiegen nach Rechts verboten. Auch mehrspuriges Abbiegen ist möglich, wenn neben der Linksabbiegerspur auch von einem geradeausführenden Fahrstreifen durch Fahrbahnmarkierung das Linksabbiegen erlaubt ist.

Wie Sie richtig Abbiegen:

  1. rechtzeitig richtig einordnen: Möchten Sie rechts abbiegen, müssen sich so weit rechts wie möglich einordnen. Für Linksabbieger gilt, sich in dem für ihre Fahrtrichtung zugelassenen am weitesten linken Fahrstreifen einzuordnen. Auch beim Fahrstreifenwechsel muss der Blinker rechtzeitig gesetzt werden.
  2. Fahrtgeschwindigkeit drosseln: Vor dem Abbiegen müssen Kraftfahrer gegebenenfalls halten, um die Situation besser einsehen zu können – an Abbiegerampeln gilt dies ohnehin. Ist die Strecke stark befahren, sollten Sie den Blinker bereits jetzt setzen, um den nachfolgenden Verkehr vorzuwarnen.
  3. Blick in den Rückspiegel/Innenspiegel: Beobachten Sie den hinter Ihnen fahrenden Verkehr und gegebenenfalls auch im Rückspiegel auftauchende Fahrradfahrer, die auf der Straße in Ihrer Richtung fahren.
  4. Blick in den bzw. die Außenspiegel: Wollen Sie rechts abbiegen, blicken Sie vor allem in den rechten Seitenspiegel, für das Linksabbiegen nutzen Sie vornehmlich den Seitenspiegel auf der Fahrerseite. Besonders Fahrradfahrer können so rechtzeitig erkannt werden.
  5. Blinker setzen: Spätestens jetzt sollten Sie den Blinker setzen. Auch an Ampeln bei Einordnung in die entsprechende Abbiegerspur muss zusätzlich noch der Blinker gesetzt werden.
  6. Schulterblick: Der Schulterblick dient dazu, den toten Winkel einzusehen, der durch die Spiegel nicht eingesehen werden kann. Besonders Fahrradfahrer und Fußgänger sind hier zu beachten. Diese Verkehrsteilnehmer haben in der Regel Vorrang. Besonders beim Abbiegen an Kreuzungsampeln gilt, den kreuzenden Gehwegstrom zu beachten, da dieser meist durch grünes Lichtsignal Vorrang hat.
  7. Lenken: Erst nachdem Sie sich versichert haben, dass keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden können, dürfen sie langsam in die Straße einlenken und den Abbiegevorgang abschließen.
Obwohl gerade durch Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren die meisten Sach- und Personenschäden verursacht werden: Die Strafen für Verstöße gegen § 10 StVO sind im Vergleich vergleichsweise gering. Die Unfallverursachung in der Folge eines falsch durchgeführten Wendemanövers oder beim Rückwärtsfahren kann zu einem erhobenen Bußgeld in Höhe von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg führen.

Wer hat beim Abbiegen laut StVO Vorfahrt? (§ 10 Absatz 3 StVO)

  • Fußgänger
  • Fahrräder (auch motorisierte), auch wenn sie sich auf oder neben der Fahrbahn der gleichen Richtung befinden
  • entgegenkommende Fahrzeuge (ggf. voreinander abbiegen)
  • Schienenfahrzeuge
  • Linienbusse und andere Fahrzeuge auf Sonderfahrstreifen

Es gibt generell Verkehrsbereiche, in denen das Wenden und Rückwärtsfahren strikt verboten ist. Hierzu zählen insbesondere die Bundesautobahnen. Da die Richtungsfahrbahnen hier durch den Mittelstreifen voneinander getrennt sind, würde das Wenden auf der Autobahn den Fahrer im wendenden Auto zum Geisterfahrer machen – er führe also in die falsche Richtung. Die aufgeworfene Gefahrensituation ist für alle Beteiligten kaum abzuschätzen.

Wer seine Ausfahrt verpasst, darf damit auch nicht auf dem Standstreifen zu dieser zurückfahren. Auch das Rückwärtsfahren auf der Autobahn ist wegen der erhöhten Unfallgefahr verboten. Nehmen Sie in einem solchen Falle die nächstfolgende Abfahrt!

Besonders beim Rückwärtsfahren mit einem Lkw gilt erhöhte Wachsamkeit. Neben der gesamten Abmessungen der Fahrzeuge ist auch der tote Winkel größer. Hindernisse, Fahrzeuge und insbesondere Fahradfahrer und Fußgänger sind für Lkw-Fahrer deshalb leichter zu übersehen. Diese Verkehrsteilnehmer sollten sich nicht einfach darauf verlassen, dass sie von jedem anderen gesehen werden, sondern auch selbst vorausschauend agieren.

Rückwärtsfahren und Wenden: Auf der Autobahn strikt verboten.
Rückwärtsfahren und Wenden: Auf der Autobahn strikt verboten.

Bei Lastkraftwagen ist darüber hinaus auch ein Warnsignal Pflicht, das beim Rückwärtsfahren des Lkw ertönt. Durch dieses akkustische Signal soll auch gewährleistet werden, dass Passanten und Fahrradfahrer besonders auch direkt hinter dem Fahrzeug auf den Vorgang aufmerksam gemacht und gewarnt werden. Zusätzlich ist der Einsatz der Warnblinklichter geboten, damit auch der nachfolgende Verkehr auf das Zurücksetzen des Kfz aufmerksam gemacht wird.

Vorsicht ist auch geboten beim Rückwärtsfahren mit Anhänger: Ob mit Wohnwagen oder kleinerem Anhänger – beim Rückwärtsfahren sollten Sie hier besonders vorsichtig vorgehen. Der Anhänger kann unter Umständen anders reagieren als erwartet – zum Beispiel in eine Richtung abdriftet. Auch die Sicht nach hinten und zur Seite ist oft eingeschränkt.

Durch Erweiterungen für die Seitenspiegel kann zumindest der vergrößerte tote Winkel besser eingesehen werden. Den Schulterblick ersetzt dies jedoch nicht! Das Rangieren und Rückwärtsfahren mit Anhänger ist für Lkw-Fahrer eine besondere Herausforderung und erfordert Übung und erhöhte Aufmerksamkeit.

Für Fußgänger und Radfahrer gilt ebenso: Vorausschau im Straßenverkehr und lieber einmal zu viel anhalten und warten. Nicht selten werden besonders sie von Kraftfahrern übersehen. Auf sein Recht zu bestehen, ist jedoch nicht sinnvoll. Denn im Falle eines Unfalls haben diese Verkehrsteilnehmer den Kraftwagenfahrern nur wenig entgegenzusetzen.
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