Unfallflucht: Ein Bagatellschaden ist kein Kavaliersdelikt

Wird strafrechtlich verfolgt: Wenn bei einem Bagatellschaden Fahrerflucht begangen wurde.

Sachbeschädigung mit Fahrerflucht hat Folgen

Fahrerflucht bei einem Parkrempler liegt auch vor, wenn nur ein Zettel ohne Meldung an die Polizei hinterlassen wurde.

Fahrerflucht bei einem Parkrempler liegt auch vor, wenn nur ein Zettel ohne Meldung an die Polizei hinterlassen wurde.

Ein kleiner Kratzer nach dem Ausparken oder eine kaum sichtbare Delle durch zu dichtes Vorbeifahren, viele sehen diese kleinen Schäden oftmals nicht als richten Unfall an. Dabei ist allein der entstandene Schaden schon das wichtigste Merkmal eines Unfalls. Entfernen sich Verkehrsteilnehmer nun unerlaubt vom Unfallort, handelt es sich hier um eine Unfallflucht. Ob ein Bagatellschaden oder eine größere Sachbeschädigung vorliegen, ist dabei unerheblich.

Auch wenn sich auf den ersten Blick keine Schäden erkennen lassen, sollten Autofahrer nicht voreilig den Ort des Geschehens verlassen. Denn das Verhindern der Erfassung wichtiger Daten zur Regulierung gehört zum Tatbestand der Fahrerflucht – bei einem Bagatellschaden ebenso wie bei einem schwerwiegenden Unfall.

Wann nach einem Kratzer am Auto eine Fahrerflucht vorliegt, was ein Bagatellschaden überhaupt ist und mit welchen Konsequenzen Verkehrsteilnehmer rechnen müssen, beleuchtet der nachfolgende Ratgeber näher.

Was ist ein Bagatellschaden?

Um eine Unfallflucht bei einem Bagatellschaden definieren zu können, ist zunächst eine Erläuterung des Begriffes „Bagatellschaden“ notwendig. Als solche Schäden werden in der Regel Blechschäden bei einem Unfall bezeichnet, der einen Mindestsachwert für eine Aufnahme durch die Polizei unterschreitet und bei dem keine Personen zu Schaden gekommen sind. Parkrempler oder auch kleiner Kratzer, die zum Beispiel durch einen Einkaufswagen verursacht wurden, zählen darunter.

Hierbei handelt es sich um so geringe Schäden, dass die Polizei nicht zwingend verständigt werden muss. Es sei denn ein Unfallbeteiligter besteht darauf. Der Austausch der wichtigsten Daten kann von den Beteiligten durchgeführt werden.

Ist der Geschädigte nicht anwesend, liegt eine Fahrerflucht bei einem Sachschaden nur in bestimmten Situationen vor. Ein Bagatellschaden erlaubt es den Unfallort zu verlassen, wenn eine angemessene Wartezeit verstrichen ist und die persönlichen Daten hinterlassen wurden. In der Regel gelten 20 bis 60 Minuten als angemessen.

Wird strafrechtlich verfolgt: Wenn bei einem Bagatellschaden Fahrerflucht begangen wurde.

Wird strafrechtlich verfolgt: Wenn bei einem Bagatellschaden Fahrerflucht begangen wurde.

Allerdings muss der Bagatellschaden dann unverzüglich bei der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden. Geschieht dies nicht, kann eine Anzeige wegen Fahrerflucht für einen Parkschaden folgen. Können Unfallverursacher das Ausmaß des Schadens nicht abschätzen, empfiehlt es sich jedoch immer, die Polizei zu verständigen.

Wollen Verkehrsteilnehmer also keine Unfallflucht bei einem Bagatellschaden riskieren, sollte mit einem Sachschaden nicht leichtfertig umgegangen werden. Denn nur weil es sich um eine kleinen Kratzer handelt, bedeutet dies nicht, dass der Verursacher nicht dafür aufkommen muss. Eine Fahrerflucht kann auch ohne einen Personenschaden vorliegen.

Rechtliche Grundlagen für eine Unfallflucht bei einem Bagatellschaden

Viele stellen sich oftmals die Frage „Was passiert bei einer Fahrerflucht mit Sachschaden?“. Dabei ist das Gesetz hier eindeutig formuliert. Eine Unfallflucht bei einem Bagatellschaden wird rechtlich durch § 142 Strafgesetzbuch (StGB) abgedeckt. Dieser sagt diesbezüglich Folgendes:

Ein[en] Unfallbeteiligte[n], der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat.

Eine Unfallflucht nach einem Sachschaden wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet.

Eine Unfallflucht nach einem Sachschaden wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet.

Der Paragraph legt zudem auch fest welche Strafe beispielsweise für Fahrerflucht bei einem Parkschaden zu erwarten ist. Wer nach einem Parkrempler Fahrerflucht begeht, handelt strafbar und muss mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe rechnen. Allerdings ist immer die Schwere des Vergehens maßgeblich für die Höhe der Sanktionen, daher fällt bei einer Fahrerflucht mit Parkschaden die Strafe in der Regel als Geldstrafe aus.

Darüber hinaus ist bei einer Fahrerflucht mit Bagatellschaden mit einem Bußgeldbescheid über ein Bußgeld für den Unfall laut Bußgeldkatalog, drei Punkten in Flensburg und eventuell auch einem Fahrverbot zu rechnen. Die Entziehung der Fahrerlaubnis bei einer Fahrerflucht nach einem Kratzer ist nicht wahrscheinlich.

Verjährung bei einer Fahrerflucht mit Sachschaden

Wie bei allen anderen Ordnungswidrigkeiten und Delikten im Straßenverkehr kann nach einem Blechschaden die Fahrerflucht als Tatbestand verjähren. Nach Ablauf der gesetzlich festgelegten Frist kann eine Unfallflucht nach einem Bagatellschaden nicht mehr angezeigt werden. Die entsprechenden Fristen sind in § 78 StGB Absatz 3 festgelegt. Demnach liegt die Verjährungsfrist für eine Unfallflucht nach einem Bagatellschaden bei fünf Jahren.

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