Helmpflicht in Deutschland: Was ist vorgeschrieben?

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Wenn Verkehrsteilnehmer Kopf und Kragen riskieren

Wer auf einem Fahrrad oder Motorroller im Stadtverkehr unterwegs ist, erlebt vermutlich regelmäßig brenzlige Situationen. Im Falle eines Unfalls haben gerade die Fahrer, die auf zwei Rädern unterwegs sind, häufig das Nachsehen. Denn ihre Gefährte verfügen weder über Airbags, Sicherheitsgurte oder eine Knautschzone. Um dennoch ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewährleisten, schreibt der Gesetzgeber für verschiedene Verkehrsmittel eine Helmpflicht vor.

Bußgeldtabelle zur Helmpflicht

TBNRTatbestandStrafe (€)Punkte
121178 Sie trugen während der Fahrt keinen geeigneten Schutzhelm.15
121612Sie beförderten auf einem Kraftrad ein Kind, obwohl es keinen Schutzhelm trug.601
121618Sie beförderten auf einem Kraftrad mehrere Kinder, obwohl sie keinen Schutzhelm trugen. 701

Die Helmpflicht kann Leben retten!

Durch die Helmpflicht sollten schwere Kopfverletzungen verhindert werden.

Durch die Helmpflicht sollten schwere Kopfverletzungen verhindert werden.

Sind Fahrräder, Motorräder, Trikes und Quads in Verkehrsunfälle involviert, erleiden gerade deren Fahrer oft schwere Verletzungen. Dies liegt unter anderem daran, dass diese Gefährte bauartbedingt einem Pkw unterlegen sind. Zudem fehlen Sicherheitsgurte und Airbags.

Um wenigstens den bei Unfällen besonders gefährdeten Kopf- und Nackenbereich zu stabilisieren bzw. schützen, gilt für Krafträder und offene Kraftfahrzeuge eine gesetzlich definierte Helmpflicht.

Doch für welche Verkehrsmittel gilt in Deutschland laut Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) eine Helmpflicht? Seit wann ist diese gesetzlich vorgeschrieben? Was droht bei einem Verstoß gegen die Helmpflicht als Strafe? Und ist es grundsätzlich möglich, bei der Helmpflicht eine Befreiung zu beantragen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

Wann ist die Helmpflicht laut Gesetz vorgeschrieben?

Laut StVO gilt die Helmpflicht für Krafträder und offene Kraftfahrzeuge.

Laut StVO gilt die Helmpflicht für Krafträder und offene Kraftfahrzeuge.

Bereits seit 1976 ist in Deutschland die Helmpflicht in der StVO beinhaltet und trägt seitdem zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei. Wann genau ein Verkehrsteilnehmer zum Tragen eines Schutzhelms verpflichtet ist, ergibt sich aus § 21a Abs. 2 StVO. Darin heißt es:

Wer Krafträder oder offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h führt sowie auf oder in ihnen mitfährt, muss während der Fahrt einen geeigneten Schutzhelm tragen. Dies gilt nicht, wenn vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind.

Anhand dieses Auszugs zeigt sich, dass die gesetzliche Helmpflicht an verschiedene Bedingungen geknüpft ist. So gilt diese nur für Krafträder oder offene Kraftfahrzeuge, die schneller als 20 km/h fahren können.

Darüber hinaus besteht eine Helmpflicht nur dann, wenn Sie nicht in der Lage sind, der gesetzlichen Anschnallpflicht nachzukommen. Da weder Motorräder noch Quads über eine solches Ausstattungsmerkmal verfügen, können sich die Fahrer faktisch nicht anschnallen und müssen somit einen Schutzhelm tragen.

Beachten Sie, dass sich die gesetzliche Helmpflicht nicht nur auf den Fahrzeugführer beschränkt. So müssen ebenfalls alle weiteren Mitfahrer mit einem geeigneten Schutzhelm ausgestattet sein. Das bedeutet ebenso, dass die Helmpflicht auch für Kinder gilt, wenn diese auf dem Motorrad oder Quad mitgenommen werden.

Wichtig! Der Gesetzgeber schreibt ausdrücklich die Verwendung von einem „geeigneten Schutzhelm“ vor. Hierunter fallen Modelle, die den einheitlichen, europäischen Vorschriften entsprechen und über eine ECE-Prüfung verfügen. Die aktuelle Version dieser Norm ist ECE-R 22.05.

Was ist mit einer Helmpflicht für Fahrradfahrer?

Wie der zuvor zitierte Gesetzesauszug zeigt, gilt eine gesetzliche Helmpflicht bislang ausschließlich für Kraftfahrzeuge. Allerdings wird seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob es nicht auch sinnvoll wäre, für Radler eine Helmpflicht einzuführen. Mögliche Pro- und Contra-Argumente haben wir nachfolgend für Sie zusammengestellt:

Helmpflicht für Fahrradfahrer - ja oder nein?
Vorteile Nachteile
- schwere Kopfverletzungen könnten durch die Helmpflicht vermieden werden- ein Schutzhelm verhindert keine Unfälle
- Reflektoren am Helm erhöhen gleichzeitig die Sichtbarkeit- Helm suggeriert ein falsches Gefühl der Sicherheit
- moderne Helme sind entgegen der verbreiteten Meinung leicht und gut belüftet- weniger Menschen könnten das Fahrrad nutzen

Ob sich Fahrradfahrer selbst eine freiwillige Helmpflicht auferlegen oder lieber ohne einen solchen Schutz unterwegs sind, muss jeder selbst entscheiden. Denn Sanktionen drohen für das Fahren ohne Helm zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland nicht.

Wichtig! Wollen Sie im Urlaub andere Länder mit dem Fahrrad erkunden, sollten Sie sich im Vorfeld über die verschiedenen Regelungen zur Helmpflicht in Europa informieren. So ist der Helm zum Beispiel im Finnland und auf Malta vorgeschrieben. Wohingegen unter anderem in Österreich, Kroatien und Schweden Kinder nur mit einem entsprechenden Schutzhelm radeln dürfen.

Helmpflicht im Cabrio: Was hat es damit auf sich?

Immer wieder berichten Medien von einer drohenden Helmpflicht für Cabriofahrer. Zwar spricht die StVO im Zuge der Schutzhelmpflicht von offenen Fahrzeugen, allerdings sind damit Gefährte gemeint, die über eine motorradähnliche Ausstattung – wie Quads und Trikes – verfügen. Zudem sind auch Cabrios in der Regel mit Sicherheitsgurten ausgestattet.

Doch was hat es mit diesen Nachrichten nun auf sich? Wie ein genauer Blick auf den Ursprung solcher Meldungen über die Helmpflicht für Insassen im Cabrio verrät, dass es sich dabei um satirische Beiträge und Aprilscherze handelt.

Verstoß gegen die Helmpflicht: Droht ein Bußgeld?

Wird die Helmpflicht für Kinder nicht beachtet, drohen ein Bußgeld und ein Punkt.

Wird die Helmpflicht für Kinder nicht beachtet, drohen ein Bußgeld und ein Punkt.

Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die gesetzlich definierte Helmpflicht verstößt, muss mit Sanktionen rechnen. Diese ergeben sich aus dem Bußgeldkatalog. Demnach zieht das Fahren ohne bzw. ohne geeigneten Schutzhelm ein Verwarngeld in Höhe von 15 Euro nach sich.

Werden Kinder nicht vorschriftsgemäß geschützt, droht sogar ein Bußgeld. Die missachtete Helmpflicht zieht in einem solchen Fall mindestens eine Geldsanktion von 60 Euro und einen Punkt nach sich.

Darüber hinaus müssen Verkehrsteilnehmer, die widerrechtlich ohne Schutzhelm unterwegs waren, damit rechnen, dass ihnen bei einem Unfall eine Mitschuld zugeschrieben wird. Dies wirkt sich insbesondere auf die Schadensregulierung aus.

Wann ist es möglich, sich von der Helmpflicht befreien zu lassen?

Aus gesundheitlichen Gründen ist es möglich, eine Befreiung von der Schutzhelmpflicht zu beantragen.

Aus gesundheitlichen Gründen ist es möglich, eine Befreiung von der Schutzhelmpflicht zu beantragen.

Beim Fahren von motorisierten Zweirädern, Trikes und Quads ist das Tragen von Schutzhelmen laut StVO Pflicht. Allerdings besteht in begründeten Einzelfällen grundsätzlich die Möglichkeit, dass Personen von der gesetzlichen Helmpflicht befreit werden können. Eine solche Ausnahmeregelung erfolgt allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es der betroffenen Person aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, einen vorschriftsgemäßen Sicherheitshelm zu tragen. Die eigene Einschätzung reicht für eine Befreiung allerdings nicht aus. Stattdessen ist eine ärztliche oder fachärztliche Bescheinigung vorzulegen, aus der die Notwendigkeit für ein Abweichen von der Helmpflicht ersichtlich wird.

In der Regel wird die Ausnahmegenehmigung nur für einen begrenzten Zeitraum erteilt. Daher muss das Attest auch Auskunft über die voraussichtliche Dauer der Beeinträchtigung geben. Ist allerdings davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand nicht mehr bessert, kann die zuständige Behörde von einer Befristung der Genehmigung absehen.

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