Bußgeldkatalog in Luxemburg – Die Sanktionen des Großherzogtums

Worauf ist bei den Verkehrsregeln in Luxemburg zu achten?
Lohnt sich für Sie ein Einspruch gegen den Buß‌geldbescheid?
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Klein aber oho

Wer ins Großherzogtum fährt, sollte den Bußgeldkatalog von Luxemburg kennen.

Wer ins Großherzogtum fährt, sollte den Bußgeldkatalog von Luxemburg kennen.

Das Großherzogtum Luxemburg ist eines der kleinsten Länder der EU – und liegt direkt neben Deutschland. Gerade einmal eine halbe Stunde Autofahrt von Deutschlands ältester Stadt Trier entfernt, liegt die Grenze. Für einen Besuch in Luxemburg lässt sich das Auto also gut einplanen. Nun ist Luxemburg ob seiner geringen Größe keineswegs ein unbedeutendes Land. Beherbergt es doch EU-Institutionen, wie den Europäischen Rechnungshof und den Europäischen Gerichtshof.

Für Autofahrer kann das Land besonders dann an Wichtigkeit gewinnen, wenn der Bußgeldbescheid aus dem Ausland aus Luxemburg kommt. Denn der Bußgeldkatalog in Luxemburg wurde zuletzt 2015 aktualisiert, die Sanktionen für Verkehrsverstöße dabei klar erhöht – und die sollten deutsche Autofahrer am besten im Vorfeld kennen.

In diesem Ratgeber haben wir die wichtigsten Bußgelder und Verkehrsregeln aus Luxemburg für Sie aufgeführt.

Bußgeldtabelle für Luxemburg (Auszug)

VerkehrsverstoßeBußgeld
Geschwindigkeitsüberschreitung ab 20 km/hab 50 Euro
Geschwindigkeitsüberschreitung ab 50 Euroab 145 Euro
Alkohol am STeuer ab 145 Euro
Überzogene Hauptuntersuchung145 Euro
Missachtung der Gurtpflicht75 Euro
Handy am Steuer75 Euro

Das besagt der Bußgeldkatalog in Luxemburg

Besonderheit im Bußgeldkatalog von Luxemburg: überhöhte Geschwindigkeit kann bei wiederholter Auffälligkeit zu 1500 Euro Bußgeld führen.

Besonderheit im Bußgeldkatalog von Luxemburg: überhöhte Geschwindigkeit kann bei wiederholter Auffälligkeit zu 1500 Euro Bußgeld führen.

In Luxemburg gilt für die meisten Fahrzeuge ein Tempolimit von 130 km/h auf der Autobahn, ausgenommen sind Gespanne und schwere Fahrzeuge, die über 7,5 Tonnen wiegen. Außerorts liegt die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei 90 km/h und 75 km/h für Gespanne und schwere Fahrzeuge.

Doch Obacht: Bei Nässe gilt auf der Autobahn ein Tempolimit von nur 110 km/h. Eine Nichtbeachtung dieser Richtlinie kann bereits ein im Bußgeldkatalog von Luxemburg festgesetztes Bußgeld zur Folge haben.

Wann ist es eine „Délit de grande vitesse“?

Der Bußgeldkatalog in Luxemburg führt für Geschwindigkeitsverstöße bis 20 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit Bußgelder bis 55 Euro auf. Für 50 km/h schneller als erlaubt, beginnen die Bußgelder bei 145 Euro.

Fährt ein Verkehrsteilnehmer 50 Prozent und mindesten 20 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit, begeht eine „Délit de grande vitesse“, eine schwere Geschwindigkeitsübertretung. Dabei muss es sich jedoch auch um den zweiten Geschwindigkeitsverstoß innerhalb von drei Jahren handeln.

Beispiel: Sie fahren 75 km/h innerorts. Die Geschwindigkeit liegt 25 km/h und damit 50 Prozent über der erlaubten Geschwindigkeit. Zudem wurden Sie vor knapp zweieinhalb Jahren mit 130 km/h auf der Autobahn erwischt, obwohl wegen der Nässe dort nur 110 km/h erlaubt waren.

Zwei Promillegrenzen in Luxemburg

Luxemburg führt im Bußgeldkatalog eine Sanktion in Höhe von 145 Euro, für den Fall, dass ein Fahrer die Promillegrenze überschreitet. Bei mehr als 1,2 Promille oder in Kombination mit einem weiteren Vergehen drohen härtere Sanktionen. Die Grenze liegt bei 0,5 Promille. Für Fahranfänger – also Fahrer jeden Alters, die weniger als zwei Jahre den Führerschein haben – gilt eine Promillegrenze von 0,2.

Der Atemalkoholtest ist in Luxemburg nicht Pflicht. Doch wie in einigen Ländern auch – beispielsweise in Österreich – wird bei Weigerung die jeweilige Höchststrafe für das Delikt verhängt.

Weitere Verkehrsregeln und Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog von Luxemburg

Für viele Verkehrsverstöße wurde 2015 das Bußgeld in Luxemburg angehoben.

Für viele Verkehrsverstöße wurde 2015 das Bußgeld in Luxemburg angehoben.

Vor Fahrrad- und Fußgängerübergängen darf ein Kfz nur mit einem Abstand von fünf Metern geparkt werden. Für solche und andere Parkverstöße sieht der Bußgeldkatalog in Luxemburg Sanktionen von rund 145 Euro vor.

Seit 2015 werden auch Abstandsverstöße härter sanktioniert. Eine Nichteinhaltung des Sicherheitsabstandes kann den Fahrer ein Bußgeld von 145 Euro kosten. In Tunneln muss soweit möglich immer ein Mindestabstand von fünf Metern eingehalten werden. In Deutschland freiwillig, in Luxemburg Pflicht: Wer an ein Stauende fährt, muss den Warnblinker für nachfolgende Fahrzeuge setzen.

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Auch andere Verkehrsverstöße werden im Bußgeldkatalog von Luxemburg mit einem Bußgeld von 145 Euro quittiert. Das Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage, eine falsche Anbringung des Kindersitzes und auch die Missachtung von Helm- und Gurtpflicht.

Explizit aufgeführt, wird im Bußgeldkatalog von Luxemburg auch das Benutzen eines Tablet-PCs beim Fahren. Die Ordnungswidrigkeit ist 2015 neu dazugekommen. Bei Missachtung droht ein Bußgeld von ebenfalls 145 Euro.

Neben höheren Bußgeldern hat Luxemburg auch die Nebenstrafen, insbesondere die Punkte fürs Verkehrsregister erhöht. Im Gegensatz zu Bußgeldern und Fahrverboten werden Punkte jedoch nicht grenzübergreifend aufgeführt. Die Punkte für einen Verkehrsverstoß bleiben demnach in Luxemburg.

Für Betroffene sicherlich überraschend: In Luxemburg müssen die Kinder bis zum Ende des 17. Lebensjahres hinten sitzen, wenn sie kleiner sind als 150 cm. Der Bußgeldkatalog in Luxemburg führt für Verfehlungen ein Bußgeld von 25 Euro und mehr auf.

Tanktourismus in Luxemburg und die Folgen

Von Luxemburg nicht im Bußgeldkatalog aufgeführt: Tanktourismus. Dennoch ist es nicht erlaubt, gefüllte Benzinkanister mitzunehmen.

Von Luxemburg nicht im Bußgeldkatalog aufgeführt: Tanktourismus. Dennoch ist es nicht erlaubt, gefüllte Benzinkanister mitzunehmen.

Ein mutmaßlich exklusives Problem hatte Luxemburg vor einiger Zeit mit dem sogenannten „Tanktourismus“. Die Preise für Benzin und Diesel sind in Luxemburg so niedrig, dass Autofahrer aus den Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich und Belgien in das Land fuhren, um zu tanken und das Land in der Folge wieder zu verlassen – beladen mit Kanistern, die den günstigen Treibstoff enthielten.

Die Entwicklung war von der Regierung des Großherzogtums zunächst gezielt gesteuert worden, seit Mitte der 2010er Jahre lohnt sich dieses Geschäft jedoch nicht weiter.

Nun ist es mittlerweile komplett verboten, gefüllte Benzinkanister aus Luxemburg auszuführen.

Auch wenn ein widriges Verhalten nicht direkt eine Ordnungswidrigkeit gemäß dem Bußgeldkatalog aus Luxemburg darstellt – Autofahrer werden im Grenzgebiet vermehrt kontrolliert, befüllte Kanister dabei beschlagnahmt.

Dennoch lohnte es sich lange für Menschen aus dem Nachbarland, die nahe der Grenze wohnen, in Luxemburg zu tanken: um 15 bis 20 Cent waren die Literpreise für Diesel und Benzin durchschnittlich günstiger.

Der Tanktoursimus nahm zwischendurch solch starke Züge an, dass das Großherzogtum Luxemburg beispielsweise Transitfahrern nur noch das Nutzen bestimmter Autobahnen erlaubte und der Bußgeldkatalog in Luxemburg ein Abfahren von der Autobahn als Ordnungswidrigkeit aufführte.

Das neue Mobilitätskonzept in Luxemburg

Luxemburg möchte nun ab 2025 selbst gar keine neuen Benzin – oder Dieselfahrzeuge mehr anmelden und verlangt auch von seinen Tankstellen – insbesondere denen, die auf der Strecke des Transit-Verkehr liegen – neue Geschäftsmodelle.

Leicht tut sich das Großherzogtum mit den Umstellungen allerdings nicht. Der für Infrastrukturmaßnahmen zuständige Staatssekretär Camille Gira, der das neue Mobilitätskonzept mitentwickelte, sagte damals bei dessen Vorstellung dem Deutschlandfunk:

Also einfach verzichten, das können wir nicht, wir können ja nicht von heute auf morgen auf eine Milliarde Euro in unserem Haushalt verzichten.

Das Vorhaben Luxemburgs wird also eine teure Angelegenheit, gerade Grenzfahrer sollten die Entwicklung nachhaltig verfolgen.

Bußgeldbescheid aus Luxemburg nicht bezahlen?

Bußgelder aus Luxemburg können EU-weit vollstreckt werden.

Bußgelder aus Luxemburg können EU-weit vollstreckt werden.

Wer ein Bußgeld aus Luxemburg erhält, sollte nicht davon ausgehen, es generell nicht bezahlen zu müssen. Aufgrund der EU-Mitgliedschaft werden Bußgelder bzw. Ordnungsstrafen auch in Deutschland vollstreckt.

Das EU-Abkommen greift ab einer Bagatellgrenze von 70 Euro. Ausschlaggebend dafür sind jedoch nicht nur die Bußgelder aus dem Bußgeldkatalog in Luxemburg selbst. Auch Verfahrenskosten oder Mahngebühren können dazu kommen.

Konsequenzen drohen auch vor Ort

Nicht nur der Bußgeldkatalog von Luxemburg sollte Besuchern bekannt sein. Auch die Art und Weise, wie die Bußgelder eingezogen werden, ist nicht unbedeutend. Nicht immer müssen diese infolge eines Bußgeldbescheids bezahlt werden. Die Luxemburger Polizei darf die Ordnungsgelder bei Ausländern auch an Ort und Stelle erheben und einziehen.

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